Der WLTP-Standard im Dienste der Autofahrer
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Seit dem 1. Januar 2019 ersetzt WLTP endgültig das NEDC-Verfahren. Dieses neue, weltweit geltende Verfahren soll die Emissionen und den Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sowie die Reichweite von Elektrofahrzeugen ermitteln und dabei den Bedingungen des Alltagsnutzens besser entsprechen. Erläuterungen.
von der Renault Group
Was ist die WLTP-Zulassung?
Allgemein ausgedrückt ist eine Typgenehmigung eine Reihe von vorgeschriebenen Prüfungen, mit denen die Konformität jedes neuen Fahrzeugs, das auf den Markt kommt, mit den neuen Vorschriften bestätigt wird. Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle Fahrzeuge die Vorschriften für Schadstoffemissionen, auch Abgasnormen genannt, einhalten. Derzeit gilt die Euro-6-Norm.

Seit dem 1. September 2017 gilt für neue Fahrzeugmodelle die WLTP-Zulassung bzw. die WLTP-Vorschriften (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure). Diese ersetzen schrittweise das NEDC-Verfahren (New European Driving Cycle), das seit den 1990er Jahren als Referenz diente, mittlerweile jedoch veraltet ist. Schließlich sind seit dem 1. Januar 2019 alle veröffentlichten Referenzwerte ausschließlich WLTP-Daten.
Dieses neue Zulassungsverfahren misst somit den Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs, seine Schadstoffemissionen (CO₂-Emissionen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor) unddie Reichweite von Elektrofahrzeugen.
Was ist der WLTP-Zyklus?
Alle von den Automobilherstellern angegebenen Werte sind das Ergebnis von Tests, die im Labor und teilweise unter realen Fahrbedingungen (RDE) durchgeführt wurden. Der WLTP-Zyklus, der wesentlich realistischer ist als der NEDC-Zyklus, deckt ein Maximum an realen Fahrbedingungen ab: Stadt-, Überland- oder gemischte Fahrzyklen. Bei einem Elektrofahrzeug beispielsweise entspricht eine Reichweite von 400 km nach NEDC einer Reichweite von etwas mehr als 300 km nach WLTP.
Genau wie beim NEDC finden die Tests für den WLTP-Zyklus im Labor auf Rollenprüfständen statt. Auch die von bestimmten Fahrzeugmodellen angebotenen Optionen werden berücksichtigt, da sie unter anderem das Gewicht oder den Verbrauch von Elektrofahrzeugen beeinflussen können.
Der WLTP-Zyklus und der RDE-Test
Die Testbedingungen der WLTP-Fahrzyklen sind somit strenger als die des NEDC-Protokolls, berücksichtigen jedoch nicht alle Parameter des realen Fahrzeugbetriebs. Um die Daten zu vervollständigen, ist ein zweiter Test, der sogenannte RDE-Test (Real Driving Emissions), zusätzlich zum WLTP-Test vorgeschrieben, um Fahrzeuge zuzulassen, die auf den Markt kommen, insbesondere auf den europäischen und französischen Markt. Diese Tests, deren Ziel es ist, die Schadstoffemissionen im realen Verkehr zu messen, umfassen eine Reihe von Situationen, denen Autofahrer begegnen können: Wetterbedingungen, Gelände, Beladung des Fahrzeugs, Fahrstil des Fahrers, Art der befahrenen Straßen.
WLTP vs. NEDC: Was sind die Unterschiede?
Der WLTP-Fahrzyklus ist länger und entspricht den realen Fahrbedingungen besser als der NEDC-Zyklus, was eine Reihe bedeutender Änderungen mit sich bringt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das WLTP-Protokoll den Verbrauch und die Emissionen im Alltagsbetrieb genauer widerspiegelt, da es den Fahrzeugtyp sowie die gewählte Ausstattung und Sonderausstattungen berücksichtigt. Ein und dasselbe Fahrzeugmodell weist daher mehrere Werte auf, im Gegensatz zu einem einzigen Ergebnis beim NEDC-Protokoll.
Die Unterschiede in Zahlen
Was die Dauer betrifft, sieht das WLTP-Protokoll einen Test von 30 Minuten vor, gegenüber 20 Minuten beim NEDC-Protokoll. Die im WLTP-Test zurückgelegte Strecke beträgt 23 km, gegenüber 11 km beim NEDC.
Was die Geschwindigkeit betrifft, so liegt der Durchschnitt bei den WLTP-Tests bei 47 km/h gegenüber 34 km/h bei den NEDC-Tests, während die Höchstgeschwindigkeit bei den erstgenannten 131 km/h beträgt, gegenüber nur 120 km/h bei den alten Protokollen. Während beim NEDC-Protokoll die Geschwindigkeitsschwankungen für alle Fahrzeuge ähnlich waren, werden sie beim WLTP an die jeweiligen Fahrzeuge angepasst. Zudem schreibt das WLTP-Verfahren 52 % Stadtverkehrssimulation und 48 % Überlandverkehr vor, gegenüber zuvor 66 % und 34 %. Der Anteil der Standzeiten ist hingegen von 24 % auf 13 % gesunken.
Schließlich sind die Testgeschwindigkeiten höher, der getestete Temperaturbereich ist größer, die Messungen werden nun bei einer Temperatur von 14 °C beim Start und anschließend bei 23 °C durchgeführt, und die WLTP-Tests berücksichtigen die Sonderausstattungen des Fahrzeugs, da diese einen direkten Einfluss auf den Verbrauch der elektrischen Anlage und das Gewicht haben.
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