Entdecken Sie die Öko-Stadtteile
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Ja, man kann in der Stadt in einer angenehmen, hochwertigen Umgebung leben und gleichzeitig seinen ökologischen Fußabdruck begrenzen. Das ist das Ziel und das Versprechen der Öko-Stadtteile, die überall in Europa und weltweit aus dem Boden sprießen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Konzept der Öko-Stadtteile und inwiefern sind sie umweltfreundlicher?
VON DER RENAULT GROUP
Was ist ein Öko-Stadtviertel?
Ein Ökoviertel, das manchmal auch als nachhaltiges Stadtviertel bezeichnet wird, ist ein städtisches Gebiet, das nach den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung konzipiert, gestaltet und verwaltet wird. Ein Ökoviertel verfolgt somit drei Ziele: die Begrenzung seiner Umweltauswirkungen, die Förderung des sozialen Zusammenhalts und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung. Um diese Ziele zu erreichen, setzen Ökoviertel vor allem auf Maßnahmen, die darauf abzielen, den Energiebedarf zu senken und Ressourcen zu schonen. Sie legen zudem Wert auf eine soziale und funktionale Durchmischung (Wohnen, Dienstleistungen, Freizeitangebote usw.) ihres Umfelds. Das Ergebnis für die Bewohner: eine bessere Lebensqualität in einem umweltfreundlicheren Umfeld.
Die Merkmale eines Öko-Stadtteils
Nicht jedes Stadtviertel kann sich als Öko-Stadtviertel bezeichnen. Um als solches anerkannt zu werden, muss ein Stadtviertel hinsichtlich seiner Gestaltung und Funktionsweise verschiedene Kriterien erfüllen.
Ökologisch konzipierte Gebäude mit geringerem Energieverbrauch
In Frankreich beispielsweise sind Gebäude die größten Energieverbraucher (45 %), weit vor dem Verkehrssektor (33 %). Die Gebäude in den Öko-Stadtvierteln sind energieeffizient, werden aus ökologischen Baustoffen errichtet und erfüllen strenge Anforderungen, die auf einen möglichst geringen Energieverbrauch pro Quadratmeter abzielen. Der Schwerpunkt liegt auf der Außenisolierung, um den Energieverlust zu begrenzen, aber auch auf dem Ausbau erneuerbarer Energien (Solarzellen), um einen Teil des Bedarfs zu decken.
Eine bessere Wasser- und Abfallwirtschaft
Um den Druck auf die Ressourcen zu verringern, wird Regenwasser aufgefangen und für die Pflege öffentlicher Flächen (Straßen, Grünanlagen usw.) oder in Gebäuden für die Toilettenspülung genutzt.
Bei den Abfällen sind Mülltrennung und getrennte Sammlung das A und O. Organische Abfälle werden gesammelt, um kompostiert und für die Pflege der Grünflächen verwendet zu werden. Viele Öko-Stadtteile richten ein unterirdisches Rohrpostsystem ein, wodurch der Lkw-Verkehr zu den Verwertungsanlagen optimiert und der Verkehr dieser Fahrzeuge durch die Straßen des Stadtteils vermieden wird.
Soziale und funktionale Vielfalt
Ökoviertel sollen für alle zugänglich sein (ein bestimmter Anteil des Wohnungsbestands ist oft für Sozialwohnungen reserviert). Sie setzen auf die soziale, kulturelle und generationsübergreifende Vielfalt der Bevölkerung sowie auf die Bündelung aller städtischen Funktionen und Dienstleistungen, um mehr Nähe zu schaffen und das Leben im Viertel zu fördern. So findet man dort im Umkreis von wenigen hundert Metern Wohnungen, Geschäfte, Büros, öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Freizeitangebote usw.
Effiziente und umweltfreundliche Verkehrsmittel
Ökoviertel sind so konzipiert, dass sie das Zu-Fuß-Gehen, das Radfahren und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fördern und den Autoverkehr einschränken. Der Schwerpunkt liegt daher auf ihrer Gestaltung (Fußgängerwege, Radwege, gesicherte Fahrradabstellplätze), einem dichten Netz öffentlicher Verkehrsmittel und der unmittelbaren Nähe zu zahlreichen Einrichtungen des täglichen Bedarfs: Einkaufszentrum, Schule, Kindertagesstätte, Sportanlagen usw.
Biodiversität im städtischen Raum
Grün- und Naturflächen werden bevorzugt, sowohl zum Wohlbefinden der Bewohner als auch zur Förderung der Artenvielfalt (Fauna und Flora).
Engagierte Bürger
Das Öko-Quartier hat sich zum Ziel gesetzt, die Bewohner bereits in der Planungsphase des Projekts – sei es bei Neubauten oder Sanierungen – einzubeziehen und zu integrieren und sie anschließend im Sinne einer umweltbewussten Bürgerbeteiligung in die Verwaltung und Weiterentwicklung des Projekts einzubinden.
Mobilität in Öko-Stadtvierteln
Im Bereich der Mobilität wirken Ökoviertel somit auf zwei Ebenen: zum einen durch die Reduzierung des Verkehrsaufkommens dank Geschäften und Dienstleistungen in der Nähe der Wohnanlagen, zum anderen durch den Ausbau der Infrastruktur zur Förderung des Fußgängerverkehrs, des Radfahrens und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Ein günstiges Umfeld für die Entwicklung einer gemeinsamen, umweltfreundlichen und geräuscharmen Elektromobilität. Um den Bedürfnissen der Bewohner nach gelegentlichen und kurzfristigen Fahrten gerecht zu werden, richten einige Öko-Stadtteile Carsharing-Dienste mit Elektrofahrzeugen ein, wie beispielsweise in Lombok in Utrecht in den Niederlanden oder in Västra Hamnen in Malmö in Schweden.
Mit Logistikstandorten in der Nähe verändert sich auch die Zustellung, insbesondere auf der „letzten Meile“. Elektro-Nutzfahrzeuge wie der Kangoo Z.E. und der Master Z.E. erfüllen bereits heute die Anforderungen an die Zustellung im Hinblick auf die Verringerung der Umweltbelastung.
In den kommenden Jahren könnten kleine, autonome Elektrofahrzeuge wie der Renault EZ-POD durchaus ihren Platz in diesen Öko-Stadtvierteln finden, um Personen oder Güter zu befördern.
Einige Beispiele für Ökoviertel in Europa
Die Länder des Nordens werden oft als Vorbild genannt, wenn es um nachhaltige Entwicklung geht. Da Ökoviertel überall in Europa immer häufiger entstehen, ist es daher nicht verwunderlich, dass es in diesen Regionen zahlreiche davon gibt.
Das Ökoviertel Hammarby Sjöstad in Schweden
In Schweden haben wir bereits über Västra Hamnen in Malmö berichtet. Auch das Stadtviertel Hammarby Sjöstad im Südosten von Stockholm entstand Ende der 90er Jahre auf den Ruinen eines Industrie- und Hafengebiets. Um den Energiebedarf zu decken, sind die Gebäude mit Solaranlagen ausgestattet. Das Fernwärmenetz wird von einem Heizkraftwerk gespeist, das Biobrennstoff, gereinigtes Wasser aus einer Kläranlage sowie brennbare Abfälle nutzt. Bei der Abwasserbehandlung entsteht zudem Biogas, das die Gasherde in den Wohnungen versorgt. Über den Energiebereich hinaus sind hier alle Merkmale eines Ökoviertels vorhanden: Radwege, großzügige Naturflächen, Abfall- und Wasseraufbereitung (Regenwassernutzung und lokale Abwasserbehandlung) usw.
Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich im Wettlauf um Ökoviertel
In Deutschland fallen dabei insbesondere das Vauban-Viertel in Freiburg, die HafenCity in Hamburg oder der Kronsberg in Hannover ein. Weiter westlich liegt BedZED am Stadtrand von London, ein Vorzeigeviertel im Vereinigten Königreich, was die Umsetzung der Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung angeht. Es verfolgt das ehrgeizige Ziel, CO₂-Neutralität zu erreichen.
Auch Frankreich steht dem in nichts nach, mit symbolträchtigen Ökovierteln wie beispielsweise im Südosten das „Zac de Bonne“, das mitten im Zentrum von Grenoble auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne entstanden ist. Das jüngere Ökoviertel La Courrouze im Großraum Rennes in der Bretagne soll bis 2028 Platz für 10.000 Einwohner und 3.000 Arbeitsplätze bieten. Paris verfügt über mindestens vier Ökoviertel, darunter das Viertel Clichy-Batignolles im 17. Arrondissement (im Nordwesten). Die Stadt treibt zudem zunehmend Projekte für Stadtteile der urbanen Innovation voran, in denen Initiativen in den Bereichen Mobilität, Kreislaufwirtschaft oder Nutzung des öffentlichen Raums erprobt werden. Zwei dieser Stadtteile sind bereits entstanden: Paris-Rive-Gauche (im Südosten der Hauptstadt) und Chapelle-S (im Norden der Stadt).
Die Vorteile eines Ökoviertels
Ökoviertel sind die Versuchslabore für die nachhaltige Stadt von morgen. Mit ihrer sozialen und funktionalen Vielfalt, der für die kompakte Stadt so wichtigen Besiedlungsdichte, der Förderung des sanften Verkehrs, der Wiedereingliederung der Natur in den Lebensraum, dem Einsatz erneuerbarer Energien, dem Streben nach Energieeffizienz und die nachhaltige Wasser- und Abfallwirtschaft ermöglichen sie es, in mehr oder weniger großem Maßstab eine Form des Zusammenlebens zu erproben, die den Menschen und die Umwelt stärker respektiert.
Für die Anwohner liegt der Gewinn in der Lebensqualität: eine ruhigere, gesündere Umgebung mit mehr sozialen Kontakten und einem geringeren Bedarf an motorisierten Fahrzeugen. Auch die Einsparungen bei den Heizkosten scheinen nicht jeden zu überzeugen …
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