„Carwatt und Renault: Die Zukunft des Retrofits“

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Als Spezialist für Nachrüstungen nutzt Carwatt Second-Life-Batterien aus Elektrofahrzeugen der Renault Group, um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Elektrofahrzeuge umzurüsten. Eine Alternative zum Kauf neuer Teile – eine Partnerschaft, die sich voll und ganz der Kreislaufwirtschaft verschrieben hat. Erläuterungen von Éric Planchais, Geschäftsführer von Carwatt.

Wie kam es zur Gründung von Carwatt und zur Partnerschaft mit der Renault Group?

CARWATT entstand 2014 aus einer Frage, die unser Präsident, der ehemalige Pilot Gérard Feldzer, einem Manager der Renault Group stellte: „Was machst du mit deinen Batterien, wenn sie ausgedient haben?“ Er hatte dabei eine Idee im Hinterkopf: diese ausgedienten Batterien für eine Vielzahl von Anwendungen wiederzuverwenden. Carwatt ist Teil einesKreislaufwirtschaftskonzepts, das auf Mobilität im weitesten Sinne angewendet wird.

Können Sie uns Ihre Strategie erläutern?

Da eines der größten Hindernisse für die Umrüstung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb die Zulassung von Fahrzeugen für den öffentlichen Straßenverkehr ist, haben wir uns zunächst der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen, insbesondere von Flughafenfahrzeugen, zugewandt. Auf Flughäfen, die private Anlagen sind, gelten andere Auflagen als auf öffentlichen Straßen, und Bodenfahrzeuge, die als industrielle Ausrüstung gelten, müssen nicht zugelassen werden.

Um solche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Elektrofahrzeuge umzurüsten, haben wir uns für die Wiederverwendung von Second-Life-Batterien aus der Automobilindustrie entschieden. Diese werden entweder unverändert wieder eingebaut oder neu konfiguriert, wobei je nach Fall bestimmte Originalkomponenten wie das BMS (Battery Management System) verwendet werden oder auch nicht.

Und wir haben uns nicht zufällig für die Batterien der Elektrofahrzeuge von Renault entschieden! Sie sind gut konzipiert, äußerst zuverlässig, da sie strengsten Anforderungen genügen müssen, und haben ihre Robustheit bereits im ersten Einsatz im Automobilbereich unter Beweis gestellt. Die Batterien des ZOE, Kangoo Z.E. oder Fluence Z.E., die wir von Renault beziehen, sind fünf oder sechs Jahre alt, doch ihre Kapazität hat sich nur geringfügig verringert. Sie sind für unsere Zwecke nach wie vor mehr als leistungsfähig genug.

Können Sie uns konkrete Beispiele nennen?

Wir arbeiten gemeinsam mit unserem ersten Kunden, Air France, an der Umrüstung zahlreicher Fahrzeuge. Wir beginnen mit der Serienumrüstung von Gepäckwagen, die mit Second-Life-Batterien ausgestattet sind, und befinden uns in der Planungsphase für Vorfeldfahrzeuge, Passagiertreppen, Flugzeugschlepper … und bald sogar Passagier-Shuttles! Außerdem entwickeln wir ein elektrisches Pumpsystem für Kerosin-Betankungsfahrzeuge.

Unser zweiter Schwerpunkt ist der Umbau von Fahrzeugen für Fotosafaris in Ostafrika. Dazu arbeiten wir mit lokalen Partnern und einem französischen Safariführer zusammen. Geringe Fahrgeschwindigkeit, geräuschloses Fahren, um die Tiere nicht zu verschrecken, niedrige Wartungskosten: Elektroantriebe sind dafür wie geschaffen! Die Fahrzeuge werden über die Photovoltaikanlagen der Lodges aufgeladen.

Interessieren Sie sich auch für die Flussschifffahrt?

In der Tat. Gemeinsam mit unseren Partnern Akuo Energy und Faar Industry arbeiten wir an der Elektrifizierung der „Flâneuse du Nil“, einem Kreuzfahrtschiff in Ägypten. Die Idee ist, 120 Quadratmeter Photovoltaikmodule und vier ZOE-Batterien aus dem Second-Life-Bereich zu installieren, die den Strombedarf an Bord decken sollen. Im Winter, wenn keine Klimaanlage benötigt wird, sollte das Schiff somit dank Solarenergie völlig autark sein. Das Projekt kann anschließend mit der Elektrifizierung des Antriebs des Schiffes fortgesetzt werden, der derzeit von einem Schlepper gewährleistet wird.

Wir haben uns nicht zufällig für die Batterien der Elektrofahrzeuge von Renault entschieden! Sie sind gut konzipiert, äußerst zuverlässig, da sie strengsten Anforderungen genügen müssen, und haben ihre Robustheit bereits bei ihrem ersten Einsatz im Automobilbereich unter Beweis gestellt.
Éric Planchais, Geschäftsführer von CARWATT

Wie sehen Sie die Entwicklung von Carwatt und die Ihrer Partnerschaft mit Renault?

Das Jahr 2019 markiert einen Wendepunkt, da wir mit der Serienfertigung, insbesondere für Air France, in eine Phase der konkreten Umsetzung eintreten. Um diesen Übergang zur Serienproduktion zu ermöglichen, sind wir gerade an einen neuen Standort in Coignières (südwestlich von Paris) umgezogen und stellen Ingenieure und Produktionsmitarbeiter ein. Die Partnerschaft mit Renault wird weiter ausgebaut. Von anfänglich wenigen Einheiten zur Entwicklung unserer Prototypen sind wir auf fast 40 Batterien im Jahr 2019 gekommen. In zwei Jahren werden wir mehrere hundert Batteriepakete benötigen, um die Vielfalt der möglichen Anwendungen abzudecken.

Renault hat uns zudem Zugang zu seinen Batteriecomputern gewährt und schult uns in deren Bedienung. Dadurch können wir Störungsdiagnosen bald selbst durchführen und Zeit sparen. Schließlich planen wir, in Zukunft nicht nur die Batteriemodule von Renault, sondern auch andere Komponenten des Antriebsstrangs zu verwenden. Dies wird neue Wege für eine nachhaltige Fahrzeugverwertung eröffnen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft des Retrofits vor?

Das macht durchaus Sinn , denn es fördert den Sektor der emissionsfreien Fahrzeuge zu einem wirtschaftlich tragbaren Preis. Und damit wollen wir es nicht belassen! Die Elektrifizierung von Stadtbussen, insbesondere von Hybridfahrzeugen, die bereits über die erforderliche Architektur für den Einbau von Elektrobatterien verfügen, gehört ebenfalls zu unseren Zielen.