„Lateinamerika im Zeitalter der Elektrofahrzeuge“
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Elektrofahrzeuge sind umweltfreundlicher und erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit. Wie lassen sie sich in einem neuen Markt etablieren? Ein Blick auf Lateinamerika mit Adriano Castro, Leiter des Elektrofahrzeugprogramms von Renault für die Region Amerika.
VON DER RENAULT GROUP
Was sind die Merkmale des lateinamerikanischen Marktes für Elektrofahrzeuge?
Er ist zwar noch gering, aber mit anderen Ländern, sogar europäischen, vergleichbar. In Kolumbien beispielsweise, dem größten Markt Lateinamerikas, beträgt der Marktanteil von Elektrofahrzeugen 0,13 % des Gesamtmarktes, während er in Italien 2017 bei 0,10 % lag. Im Jahr 2018 dürften insgesamt rund tausend Fahrzeuge verkauft werden, alle Hersteller zusammengenommen. Dennoch besteht ein echtes Potenzial. Zum einen, weil mehrere Länder bereits den Weg der nachhaltigen Energie eingeschlagen haben. In der Region werden 70 % des Stroms aus Wasserkraft gewonnen. Wind- und Solarenergie sind im Aufschwung. Zweitens, weil die lokalen Behörden meist einen echten Willen zeigen, die Elektromobilität zu fördern. Die große Mehrheit der Länder hat die Einfuhrzölle auf Elektrofahrzeuge abgeschafft, einige haben die Mehrwertsteuer stark gesenkt.
Zahlreiche Städte wie Santiago de Chile, Medellín oder Bogotá suchen ebenfalls nach Lösungen, um Staus und Umweltverschmutzung zu verringern. In São Paulo beispielsweise sind Elektrofahrzeuge im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor von den Fahrverboten unter der Woche ausgenommen.
Welchen Stellenwert haben die Elektrofahrzeuge von Renault in dieser Region der Welt?

Genau wie auf dem europäischen Markt ist Renault auch in Lateinamerika Marktführer und Vorreiter. Mehr als jedes dritte Elektrofahrzeug, das 2018 in Lateinamerika verkauft wurde, stammt aus der Renault Group. Eine unserer Stärken ist unser umfassendes Angebot, das vom Vierrad-Kleinwagen Renault Twizy, der 40 % des Absatzes ausmacht, über den Transporter Kangoo Z.E. bis hin zum ZOE und der Limousine Fluence Z.E. reicht.
Wie auf dem europäischen Markt ist Renault auch in Lateinamerika Marktführer und Vorreiter. Mehr als jedes dritte Elektrofahrzeug, das 2018 in Lateinamerika verkauft wurde, stammt aus der Renault Group.
Adriano Castro, Leiter des Elektrofahrzeugprogramms von Renault für die Region Amerika
Ein weiterer Vorteil ist die Präsenz von Renault in zahlreichen Ländern: Brasilien, dem ersten Markt, auf dem der Konzern 2014 mit dem Verkauf des Kangoo Z.E. begann, Kolumbien, wo 2015 der Twizy eingeführt wurde, Uruguay, Mexiko oder auch die Bermudas…
Wir waren im März 2018 die Ersten, die in Argentinien ein rein elektrisches Fahrzeug, den Kangoo Z.E., auf den Markt gebracht haben. Anfang 2019 werden wir ihn in Chile einführen. Unsere Hauptkonkurrenten bieten nur ein einziges Fahrzeug an und sind nur auf einem oder zwei Märkten vertreten.
Wie sind Sie an den Markt herangegangen und wie entwickeln sich die Verkaufszahlen?
Zunächst haben wir die Fuhrparks von Unternehmen ausgestattet, insbesondere von Energieversorgern (UTE in Uruguay, ITAIPU in Brasilien …), Transportunternehmen (FedEx, DHL) und Autovermietungen.
Diese Partnerschaften mit lokal sehr bekannten Unternehmen sind entscheidend für die Imagepflege unserer Elektrofahrzeuge.
Der Privatkundenmarkt entwickelt sich in einem zweiten Schritt: Der ZOE wurde im April 2018 in Kolumbien und im November in Brasilien auf den Markt gebracht. Jedes Jahr steigt unser Absatzvolumen um etwa 50 %. Im Jahr 2018 werden wir fast 400 Fahrzeuge verkauft haben und am Jahresende über eine Flotte von mehr als 1.100 Fahrzeugen verfügen.
Was sind die Voraussetzungen für die Einführung von Elektrofahrzeugen in einem neuen Gebiet?
Zunächst muss das für ihre Vermarktung erforderliche Umfeld geschaffen werden. Die Fahrzeuge müssen an das lokale Stromnetz angepasst werden, das in Lateinamerika mit 110 Volt betrieben wird; außerdem muss die Zulassung eingeholt werden, was bis zu 12 Monate dauern kann, usw.
In mehreren Ländern mussten wir die Einführung einer neuen Kategorie von Vierradfahrzeugen beantragen, um den Twizy auf den Markt bringen zu können. Außerdem müssen wir mit den Behörden zusammenarbeiten, um sie dazu zu bewegen, finanzielle oder sonstige Anreize zu schaffen, und dabei darf der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht vergessen werden. In der Region gibt es noch immer nur wenige öffentlich zugängliche Ladestationen oder solche in geschlossenen Parkplätzen, also auf Firmengeländen, für Firmen- oder Lieferfahrzeuge. Dennoch entstehen zunehmend Ladestationen an Tankstellen, Flughäfen, Universitäten und in Einkaufszentren.
Wir möchten daher die Anzahl der Ladestationen für Privathaushalte und Unternehmen erhöhen. Wir haben mehrere Vereinbarungen mit Partnern geschlossen, um unseren Kunden in Kolumbien, Brasilien und Mexiko ein „Paket“ anzubieten, das sowohl das Fahrzeug als auch die Installation der Ladestation umfasst. Das senkt die Preise und macht ihnen das Leben leichter! Dank einer Finanzierung durch unsere Tochtergesellschaft RCI wird die Ladestation beispielsweise Privatkunden, die ein Elektrofahrzeug erwerben, kostenlos zur Verfügung gestellt.
Was die Fertigung angeht, müssen wir sowohl die Mengen vorausschauend einschätzen als auch die Produktion planen, insbesondere in Zeiten steigender Nachfrage, um die Lieferzeiten so weit wie möglich zu verkürzen.
Was sind Ihre Pläne und Prioritäten für die kommenden Monate und das kommende Jahr?
Wir bauen unser Netzwerk an „Z.E. Expert“-Vertragshändlern weiter aus, die speziell für den Verkauf und den Kundendienst von Elektrofahrzeugen geschult sind. Im Januar 2019 werden wir zudem in Zusammenarbeit mit dem Wasserkraftproduzenten Itaipu Binacional ein zweites Kundendienst-Schulungszentrum der Renault Academy in Brasilien eröffnen. Dieses Schulungszentrum für Techniker wird sich ausschließlich auf Elektrofahrzeuge konzentrieren.
Außerdem werden wir 2019 in Kolumbien das erste Batteriereparaturzentrum der Region eröffnen. Schließlich bereiten wir die Batterien auf ein zweites Leben vor und arbeiten am Recycling. So wie überall auf der Welt!
Urheberrechte: Yannick BROSSARD, Renault Communication Brasilien
