Der Renault 5, der „Supercar“ der 70er und 80er Jahre

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So klein und doch schon so innovativ

Der 1967 unter dem Codenamen 122 auf den Markt gebrachte zukünftige Renault 5 sollte ausgefallen sein und eine gekonnte Prise Nonkonformismus versprühen. Das Lastenheft sah ein Fahrzeug vor, das sowohl vielseitig – also klein – als auch optisch ansprechend sein sollte.

Es war Michel Boué, der die ersten Entwürfe für den 122 zeichnete, die anschließend nur minimal überarbeitet wurden. Mit seinen abgerundeten Kurven und seinen sanften Linien war der Renault 5 in den Augen der Öffentlichkeit besonders ansprechend; er war zweifellos elegant und strahlte zudem einen Hauch von Verspieltheit aus.

Der 122 war so einzigartig, dass er ursprünglich „Renault 2“ heißen sollte. Doch da er sich so stark von den bestehenden Modellen unterschied, entschied sich die Marketingabteilung für eine andere Bezeichnung und wechselte zur Zahl 5.

Technisch gesehen übernahm er zwar einen Großteil der bereits bei den Modellen Renault 4 und 6 bewährten Technologien, darunter den Frontantrieb und die Motoren mit 782 cm³ und 33,5 ch bei der Version „L“ sowie 956 cm³ und 44 ch bei der Version „TL“. Was die Bremsen betraf, war die „L“-Version mit Trommelbremsen ausgestattet, während die „TL“-Version vorne über Scheibenbremsen verfügte, um die für ihren etwas stärkeren Motor erforderliche Bremskraft zu gewährleisten.

Innovativ war der Renault 5 hingegen bei den Stoßfängern. Diese Stoßfänger aus verstärktem Polyester wurden in Zusammenarbeit mit dem Industriekonzern Rhône-Poulenc entwickelt und zeichneten sich dadurch aus, dass sie Stößen bis zu einer Geschwindigkeit von 7 km/h standhielten. Da sie aus vorimprägniertem Glas-Polyester bestanden, fügten sie sich perfekt in das Design des Fahrzeugs ein.

Ein Star von Natur aus

Der Renault 5, der sich nicht scheute, revolutionierte auch die Werbung. Unter der Federführung der Kreativen der Agentur Publicis war der „Supercar“, wie er in den damaligen Werbespots genannt wurde, an allen Fronten präsent.

Renault wollte das Image eines Autos vermitteln, das sowohl beliebt als auch sympathisch ist, und richtete sich dabei vorrangig an Frauen und junge Menschen für den Einsatz in der Stadt und auf dem Land.

Durch die Verwendung der ersten Person Singular im Slogan „Hallo, ich bin der Renault 5. In der Stadt und auf der Landstraße … nennt man mich auch Supercar“ haucht Renault seinem Kleinwagen Leben ein. Und um das Konzept der Individualisierung abzurunden, wurde der Renault 5 mit Augen anstelle der Scheinwerfer und einem lächelnden Mund anstelle des Nummernschilds dargestellt.

Sowohl im ORTF-Fernsehen als auch an nicht weniger als 6.500 Bushaltestellen und 1.200 Außenwerbetafeln. Der Renault 5 war zudem in 1.750 Kinos zu sehen, wo zwei 45-sekündige Zeichentrickfilme ihn „in der Stadt“ und „auf dem Land“ präsentierten.

Diese Einführungskampagne, bei der auch die Sprache eine Rolle spielte, hatte zum Ziel, eine größere Nähe zwischen der Öffentlichkeit und dem Auto herzustellen. Mit anderen Worten: Der Renault 5 wurde „menschlicher“ und fand sofort Anklang bei der Presse und der breiten Öffentlichkeit.

Der Renault 5 war das erste Modell der Marke mit dem Rhombus, das als Dreitürer auf den Markt kam. Eine Karosserievariante, die bis dahin von den Franzosen gemieden wurde. Angesichts des Erfolgs des Renault 5 und des Twingo 21 Jahre später sollte sich Renault im Nachhinein als richtig erwiesen haben.