Auf dem Weg zur Mobilität in Afrika
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1,3 Milliarden Einwohner. Bis 2050 wird sich diese Zahl verdoppeln und bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich vervierfachen. Afrika ist zweifellos die Region mit dem weltweit stärksten Wachstum. Ein Kontinent voller Potenzial, der sich im Umbruch befindet und vor zahlreichen Herausforderungen steht: Urbanisierung, demografischer Wandel, technologische Entwicklung, Neugestaltung des Mobilitätsangebots … Die Herausforderungen unterscheiden sich je nach Region, wobei die Landflucht die Urbanisierung vorantreibt und einen hohen Mobilitätsbedarf mit sich bringt. Für die Renault Group ist dies ein wichtiger Raum, eine Region der Produktion, der Partnerschaften und des Vertriebs.
von der Renault Group
Nach ihrem Roadtrip durch Asien nimmt euch die Redaktion von On’Air mit nach Afrika, ins Herz der großen Herausforderungen der Automobilbranche von 2019 … bis 2050!
Uneinheitliche Mobilität, eine Region voller Gegensätze
In Afrika ist der Automobilmarkt zersplittert. Das Gleiche gilt für das Wirtschaftswachstum: In Ghana und Äthiopien floriert es, im Südsudan hingegen befindet es sich in einer Rezession. Der Großteil der Aktivitäten in der Automobilbranche konzentriert sich auf vier Länder:
In der Region Subsahara-Afrika, zu der etwa vierzig Länder gehören, wurden 2017 nur 100.000 Fahrzeuge verkauft.
Für Charles Dovonou, Regional Strategic Product Manager bei der Renault Group, lässt sich diese Feststellung durch drei Hauptfaktoren erklären:
- Eine noch immer zu schwache wirtschaftliche Entwicklung. In Subsahara-Afrika kann sich die Bevölkerung in der Regel kein Neufahrzeug leisten. Das Auto gilt in vielen Ländern nach wie vor als Luxusgut. Und die lokale Produktion bleibt gering – aufgrund mangelnder Nachfrage und exorbitanter Zölle auf importierte Fahrzeuge, die beispielsweise in Äthiopien bis zu 100 % betragen.
- Finanzierungshilfen sind so gut wie nicht vorhanden. Wenn es sie gibt, liegen die Zinssätze bei 20 oder 30 %. Für die meisten Einwohner der Länder in Subsahara-Afrika ist das unerschwinglich.
- Die Vorschriften für Gebrauchtwagen sind sehr locker. Da erschwingliche Neuwagen fehlen, greifen die Autofahrer auf billig importierte Gebrauchtwagen zurück, die manchmal schon aus einer anderen Zeit stammen. Ein 15 Jahre altes Fahrzeug kann beispielsweise als Gebrauchtwagen nach Nigeria importiert werden.
Es ist klar: Die Automobilindustrie in einem Teil dieser Region steckt derzeit noch in den Kinderschuhen, doch das könnte sich bald ändern…
Afrika – ein Automobilstandort?
Angesichts dieser Herausforderungen leiten die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union die notwendigen Reformen ein, um den Aufschwung der Automobilindustrie zu fördern. Den Anfang macht dabei die Beschränkung des Imports von Gebrauchtwagen.
Kenia beispielsweise hat das Höchstalter für Fahrzeuge auf acht Jahre begrenzt und plant, diese Grenze bis 2021 auf drei Jahre zu senken, was das Angebot an Gebrauchtwagen minderer Qualität verringern dürfte.
Aber wenn es in einer Region, die fast ausschließlich darauf angewiesen ist, keine Gebrauchtwagen mehr gibt, wie soll man sich dann fortbewegen? Die Antwort liegt auf der Hand: Man muss Neuwagen bauen!
Um dies zu erreichen, entwickelt die Afrikanische Union, der fast alle Staaten des Kontinents angehören, ein Projekt für eine Wirtschaftsunion, um die Zollschranken zwischen den Mitgliedsländern abzubauen. Dieses Projekt mit dem Namen „African Continental Free Trade Area“ (ACFTA) hat in erster Linie zum Ziel, den Handel zwischen den Ländern zu fördern, und könnte die Karten in der Automobilindustrie neu mischen.
Dank dieses Projekts:
1. Automobilunternehmen , die sich leichter in der Region ansiedeln können.
2. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und ein starkes Wirtschaftswachstum.
3. Erleichterungen im Handel durch den Abbau von Zollschranken.
4. Neufahrzeuge , die für möglichst viele Menschen erschwinglich sind .
Auf nach Subsahara-Afrika!
Dank ihrer Präsenz in Südafrika, Algerien, Ägypten und Marokko ist die Renault Group der führende Automobilkonzern auf dem afrikanischen Kontinent und genießt ein starkes Image. Im Maghreb sorgen die Werke in Tanger und Oran für einen reibungslosen Betrieb und sichern die Präsenz des Konzerns.
Renault Group: 18 % Marktanteil in Afrika
Im Jahr 2017 hat das Werk in Tanger die Marke von einer Million produzierten Fahrzeugen überschritten.
Heute besteht das Ziel darin, diese Entwicklung in den Ländern südlich der Sahara fortzusetzen. Insbesondere in Nigeria. Die im Juli angekündigte Partnerschaft mit dem lokalen Konzern Coscharis wird die Herstellung und den Vertrieb von Fahrzeugen im Land ermöglichen. Die im Oktober angelaufene Produktion des Renault Logan und des Duster erfolgt in einem Werk von Coscharis in Lagos, während das Vertriebsnetz des Konzerns die Einführung des Renault Duster Oroch und des Kwid auf diesem Schlüsselmarkt ermöglicht.
Als Grundstein für ein ehrgeiziges Projekt soll die Präsenz der Renault Group in Nigeria weitere ähnliche Partnerschaften anziehen und von dem künftigen Geltungsbereich des ACFTA profitieren. Dank der Kenntnis dieser Regionen und dem Bestreben, stets darauf abgestimmte Fahrzeuge anzubieten, mangelt es nicht an Möglichkeiten.
Mobilität mit zwei Geschwindigkeiten
Allerdings ist es noch zu früh für blaue Augen. „Die Infrastruktur einiger dieser Länder ist nicht immer auf dem neuesten Stand“, erklärt Charles Dovonou. „Die Länder haben zwar investiert, doch die Witterungsbedingungen und der Wartungsaufwand führen zu einem raschen Verfall und erfordern neue Investitionen, die nur schwer zu stemmen sind.“
Auch der öffentliche Nahverkehr ist in den meisten Ländern des Kontinents so gut wie nicht vorhanden. „Die Bevölkerung bewegt sich vor allem auf zwei Rädern fort“, erklärt er. „Wenn sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen, handelt es sich um überfüllte Fahrzeuge ohne jegliche Sicherheitsstandards.“ Die Entwicklung der Mobilität muss daher auch mit einer Verbesserung der Verkehrsbedingungen einhergehen, insbesondere vor dem Hintergrund der Urbanisierung, die Afrika derzeit erlebt.
Allmählich zeichnet sich zudem die Entstehung einer soliden Mittelschicht ab.
Die Mittelschicht, deren Größe von der Afrikanischen Entwicklungsbank auf 350 Millionen Einwohner geschätzt wird, könnte sich verdreifachen und im Jahr 2060 eine Zahl von 1,3 Milliarden Menschen erreichen .
Sie setzt sich unter anderem aus ehemaligen Auswanderern zusammen, die im Ausland studiert haben und bereit sind, sich in ihrem Heimatland zu engagieren. Sie tragen zur Entstehung einer neuen afrikanischen Mobilität bei und legen dabei Wert auf die Zuverlässigkeit eines Neuwagens. Doch dieser Wandel verläuft nicht reibungslos.
Im November 2018 wies Romain Kouakou, Generaldirektor für Landverkehr und Verkehrswesen der Elfenbeinküste und Gast des Smart-City-Forums von Grand Paris, darauf hin, dass das Entstehen einer Mittelschicht in seinem Land zu einem erheblichen Anstieg der Zahl der im Straßenverkehr befindlichen Fahrzeuge führe, obwohl die Infrastruktur sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch auf die Qualität unzureichend sei, was zu einem geschätzten Verlust von 400 Millionen Euro pro Jahr führe. Zwar befindet sich die Mobilität in vielen afrikanischen Regionen noch in der Entwicklung, doch andere Sektoren florieren und könnten die Entwicklung der afrikanischen Automobilindustrie vorantreiben.
Afrika zahlt smart!
In einigen Ländern hat das Aufkommen des Smartphones die Nutzungsgewohnheiten und die wirtschaftliche Entwicklung revolutioniert. Kennen Sie zum Beispiel M-Pesa? Das „M“ steht für „mobil“ und „Pesa“ bedeutet auf Suaheli „Geld“ – es handelt sich um ein Mikrofinanzierungssystem per Handy, das ohne Bankkonto auskommt. Es wurde vor einigen Jahren, im Jahr 2007, in Kenia eingeführt, hat die Handelslandschaft in dieser Region revolutioniert und findet nun Nachahmer. Charles Dovonou erklärt uns die Stärke dieser lokalen Unternehmen. „Mobile Zahlungssysteme wie M-Pesa, Orange Money oder MTN Money zählen auf dem Kontinent 350 Millionen Nutzer, und diese Zahl steigt dank der zunehmenden Verbreitung von Smartphones stetig an. Es handelt sich um Unternehmen, die die Mentalität und Kultur dieser Länder verstanden haben, und man kann davon ausgehen, dass diese disruptive Entwicklung früher oder später die Automobilbranche in Afrika grundlegend verändern wird.“
Technologie im Dienste der Städte
Anstelle einer industriellen Revolution erlebt Afrika heute eine Revolution im Dienstleistungssektor, insbesondere durch den Einsatz von Technologie. Ruanda beispielsweise entwickelt sich zu einem Technologiezentrum. Kigali leitet zudem eine Arbeitsgruppe, in der verschiedene Städte im Rahmen eines Projekts mit dem Titel „Smart Cities & Communities“ zusammenarbeiten.
Derzeit gibt es in Afrika neun Städte mit mehr als fünf MillionenEinwohnern; bis 2050 werden es 22 sein.
Um diesen Wandel zu begleiten, haben einige Länder bereits damit begonnen, ihre eigenen Smart Cities zu entwickeln, die zu Kompetenzzentren in zukunftsträchtigen Branchen werden sollen. Eines der wichtigsten Projekte befindet sich in Kenia: Konza Technology City. Nur wenige Dutzend Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt, wird es einen Forschungscampus, Gründerzentren und Start-ups umfassen. Digitalgiganten wie Google oder IBM lassen sich dort bereits nieder. Und andere Länder folgen diesem Trend, wie beispielsweise Benin mit seiner „Sèmè City“. Intelligente Einrichtungen, um Afrika auf die internationale Bühne zu bringen und seine Zukunft zwischen Innovation und Realität zu gestalten.