Alles über das Software Defined Vehicle
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Das Software Defined Vehicle (SDV), also das „softwarebasierte Fahrzeug“, bezeichnet die Möglichkeit, ein Auto während seiner gesamten Lebensdauer dank einer zentralisierten Architektur weiterzuentwickeln, indem es aktualisiert und mit neuen Anwendungen ausgestattet wird, um seine Funktionen zu erweitern. Dies ist die nächste Revolution, auf die sich zahlreiche Automobilhersteller wie die Renault Group vorbereiten. Diese zukünftigen, softwarebasierten Autos werden nach einem ähnlichen Prinzip wie ein Smartphone funktionieren, allerdings in viel komplexerer Form! Diese neue Technologie wird in den kommenden Jahren in den Fahrzeugen der Gruppe zum Einsatz kommen.
Ein genauer Blick.
von der Renault Group
Was ist ein Software Defined Vehicle?
Das Software Defined Vehicle (SDV) ist der technologische Schlüssel, der neue Möglichkeiten eröffnet, damit sich Fahrzeuge im Laufe ihrer Lebensdauer weiterentwickeln können: verbesserte Navigation und Konnektivität, Anwendungs-Updates in Echtzeit, erhöhte Sicherheit und Nachhaltigkeit usw. All dies dient einem verbesserten Fahrerlebnis. Da Autos bereits heute immer intelligenter und vernetzter werden, wird Software sowohl bei ihrer Konzeption als auch bei ihrer Weiterentwicklung eine immer wichtigere Rolle spielen.
Kontinuierliche Aktualisierung des Fahrzeugs
Bereits heute ist es möglich, bei bestimmten Fahrzeugen über das „Firmware Over The Air“-System (FOTA) Fern-Updates durchzuführen. Dies gilt für die EASY-LINK-Multimediasysteme im Clio, ZOE, Captur und Arkana sowie für OpenR Link im Mégane E-Tech electric und Austral. Dadurch wird das Sicherheitsniveau des Fahrzeugs aufrechterhalten, da die Verbesserung des Bordsystems und die Installation von Patches einfacher und schneller erfolgen.
In Zukunft wird die flexible und skalierbare Architektur des Software Defined Vehicle die schnellere Entwicklung und Integration neuer Funktionen über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg ermöglichen – und zwar direkt in der Cloud, d. h. auf sicheren Online-Servern, auf die von überall und jederzeit zugegriffen werden kann.
Und die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Diese neuen Dienste können sowohl die vorbeugende Wartung des Fahrzeugs (mit Fehlererkennung in Echtzeit) als auch die individuelle Gestaltung des Innenraums, das Management des Ladevorgangs oder dasInfotainment-System umfassen. Letztendlich entscheidet jeder Nutzer selbst, welche Funktionen er nutzen möchte.

Was sind die Vorteile des Software Defined Vehicle?
Zugriff auf neue Funktionen in Echtzeit
Das Software Defined Vehicle ermöglicht es, das Fahrzeug kontinuierlich zu „upgraden“ , indem es während seines gesamten Lebenszyklus in Echtzeit um neue Funktionen erweitert wird. Die angebotenen Dienste können entweder für alle Nutzer gleich oder individuell angepasst sein, je nach den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten und dem Fahrverhalten jedes Einzelnen. Dadurch wird das Nutzererlebnis verbessert.
Erhöhte Sicherheit an Bord
Dank der umfassenden Übertragung der vom Fahrzeug erfassten Daten, der Rechenleistung und der künstlichen Intelligenz, die das Software Defined Vehicle bietet, wird die Sicherheit an Bord erhöht. So können beispielsweise der Verschleiß bestimmter Teile oder Störungen in Echtzeit erkannt werden, wodurch Reparaturen vorausschauend geplant oder Fehler direkt behoben werden können. Man spricht hier von vorausschauender Wartung.
Eine Wertsteigerung des Autos
Die Möglichkeit, das Auto dank des „Software Defined Vehicle“ über die Cloud aus der Ferne zu aktualisieren, wird nicht nur das Fahrerlebnis und das Leben an Bord verbessern, sondern auch den Wert des Fahrzeugs selbst steigern. Konkret bedeutet dies, dass das Fahrzeug nach drei oder vier Jahren weniger an Wert verloren haben wird, da es um neue Funktionen erweitert wurde. Man spricht hier also von einer Verbesserung des Restwerts des Fahrzeugs.
Mit dem Software Defined Vehicle wird die elektrische und elektronische Architektur von Fahrzeugen zentralisiert, was die Integration neuer Funktionen während ihres gesamten Lebenszyklus erleichtert.
Wie funktioniert das Software Defined Vehicle?
Ein zentraler Rechner mit deutlich mehr Leistung
Fahrzeuge nutzen immer mehr eingebettete Software und benötigen für deren Betrieb zahlreiche Steuergeräte (Prozessoren). Heutzutage verfügt ein vernetztes Auto über 60 bis 80 Steuergeräte, die jeweils einer einzigen Funktion gewidmet sind, wie beispielsweise der Fahrzeugbeleuchtung oder einem Fahrassistenzsystem. Das entspricht 50 bis 80 Millionen Zeilen Softwarecode in den verschiedenen Steuergeräten!
Die heutige Fahrzeugarchitektur mit ihrer Vielzahl an Steuergeräten, die an verschiedenen Stellen im Fahrzeug verteilt sind, ist sehr komplex geworden. Das Problem: Schon recht schnell stößt man an Grenzen hinsichtlich der Rechenleistung und Kapazität, um die Fahrzeugfunktionen weiterzuentwickeln und neue zu integrieren.
Beim Software Defined Vehicle geht es darum, einen zentralen Steuergerät zu haben, der wesentlich leistungsfähiger, robuster und flexibler ist, als es das Fahrzeug bei seiner „Geburt“ benötigt. Dadurch lassen sich die enormen Datenmengen verarbeiten, die von den verschiedenen Sensoren des Fahrzeugs erfasst werden, insbesondere von Fahrerassistenzsystemen (ADAS), dem Motor, dem Fahrwerksmanagement sowie Multimedia- und Konnektivitätsdiensten. Außerdem können im Laufe der Zeit neue Funktionen integriert werden, ohne dass das System „verlangsamt“ wird. Um diesen zentralen Supercomputer zu integrieren, der langfristig einsetzbar ist, ist die Renault Group eine Partnerschaft mit Qualcomm und dessen Lösung „Snapdragon Digital Chassis“ eingegangen.
Ein speziell für das Auto entwickeltes Betriebssystem
Um neue Funktionen im Auto hinzuzufügen, stützt sich das Software Defined Vehicle auf ein Betriebssystem, ähnlich wie bei einem Computer oder Smartphone, das jedoch an das Armaturenbrett angepasst ist. Man spricht dabei von einem „CAR OS“, also einem Car Operating System.
Die neu entwickelten Apps werden dann in einem App-Store verfügbar sein und mit dem Betriebssystem des Fahrzeugs kompatibel sein. Für die gemeinsame Entwicklung dieses CAR OS hat sich die Renault Group für eine Zusammenarbeit mit Google entschieden, einem wichtigen Partner im Rahmen des Projekts „Software Defined Vehicle“.
Eine sichere Datenerfassung
Die Neuerung, die das Software Defined Vehicle mit sich bringt, ist die umfangreichere Erfassung von Daten zur Fahrzeugnutzung. Anhand dieser Informationen lassen sich nicht nur die Funktionsweise der verschiedenen Fahrzeugsysteme, sondern auch das Nutzerverhalten erfassen und analysieren. Selbstverständlich werden dabei der Umgang mit personenbezogenen Daten der Nutzer sowie alle erforderlichen Aspekte der Cybersicherheit berücksichtigt.

Das Software Defined Vehicle ist nicht nur eine Vision, sondern bereits Realität, und die Renault Group ist bereits dabei. Fortsetzung folgt…