Die Renault Group und das industrielle Metaversum: Die Revolution der vernetzten Fabriken

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Industrielles Metaversum
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jede Maschine, jedes Werkzeug und jedes Fabrikteil über ein Doppelgänger – oder einen „digitalen Zwilling“ – verfügt, der in Echtzeit dessen Handlungen und Zustand widerspiegelt. Mit ihrem industriellen Metaversum hat die Renault Group diese Vision Wirklichkeit werden lassen. Worum handelt es sich dabei und was sind die wichtigsten Vorteile? Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen unseres neuen industriellen Universums.

VON NICOLAS SOUTUMIER

Mit unserem industriellen Metaversum sind wir in eine neue Ära eingetreten: eine virtuelle Nachbildung – in Echtzeit – der Aktivitäten im Herzen unserer Fabriken. Die Hauptziele: schneller, besser und nachhaltiger produzieren. Dieses auf Echtzeit-Vernetzung basierende Metaversum ist nicht nur ein revolutionäres Management-Tool, sondern auch eine wichtige Quelle für Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz.

Die vier Dimensionen unseres industriellen Metaversums

Bei der Renault Group ist das industrielle Metaversum eine bahnbrechende Innovation, die den Ansatz in der Automobilproduktion grundlegend verändert. Es basiert auf vier Schlüsselbereichen und umfasst fortschrittliche Lösungen, die Konnektivität, digitale Modellierung, die Einbindung des externen Ökosystems und Spitzentechnologien miteinander verbinden .

Alles beginnt mit einer beeindruckenden Vernetzung: Heute sind alle unsere Werke über WLAN- oder Mobilfunknetze miteinander verbunden, sodass rund 15.000 Geräte täglich mehr als 3 Milliarden Datensätze generieren und übertragen können. Diese Daten fließen in die digitalen Zwillinge ein – virtuelle Nachbildungen der Fabriken und der Logistikkette –, die eine beispiellose Überwachung und Optimierung ermöglichen. Das Metaversum wird zudem durchexterne Informationen wie Lieferketten, Umsatzprognosen und Qualitätsdaten sowie durch externe Faktoren wie Wetter oder Verkehrslage bereichert, wodurch eine vernetzte und vorausschauende Plattform entsteht. Schließlich vervollständigen fortschrittliche Technologien wie die Cloud,KI, immersives 3D und unsere Self-Service-Big-Data-Plattform dieses Ökosystem und machen jeden Vorgang agiler, schneller und umweltfreundlicher.

Ausstellung zum industriellen Metaversum – Ayrton-Senna-Komplex in Curitiba (Brasilien)

In der Praxis bedeutet dies eine bessere Transparenz in jeder Phase der Produktionskette, eine schnellere Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse und eine deutliche Kostensenkung. Seit seiner Einführung im Jahr 2019 sind in diesem Metaversum mehr als 300 Projekte entstanden, wodurch Einsparungen in Höhe von 700 Millionen Euro erzielt werden konnten.

Werk in Palencia (Spanien)

„Dank des Metaversums können wir in Echtzeit nachvollziehen, wie viele Teile produziert wurden, welche Parameter verwendet wurden und wie viel Energie verbraucht wurde“, erklärt Éric Marchiol, Leiter Metaverse Industrie & Qualität. „So können wir alle Parameter schnell anpassen, auch bei Störungen in der Lieferkette.“

Ein industrielles Metaversum auf Konzernebene

Wir haben den Weg der Digitalisierung schon sehr früh eingeschlagen, indem wir unsere Daten standardisiert und eine eigene Technologie entwickelt haben. Während sich andere auf lokale Versuche beschränken, setzt die Gruppe ihre Vision in großem Maßstab in allen ihren Werken um.

„Wir haben für jeden Anlagentyp – ob Roboter, Pumpe oder Ofen – eine eigene Sprache entwickelt. Wir sind die Einzigen, die diese digitale Transformation in großem Maßstab an allen unseren Standorten und für alle unsere Anlagen umgesetzt haben“, erklärt Éric Marchiol.

Diese Kompetenz verschafft der Gruppe erhebliche Wettbewerbsvorteile: Verkürzung der Entwicklungszeiten für neue Technologien, Energieeinsparungen, Qualitätsverbesserungen und vorausschauende Wartung. Darüber hinaus eröffnen die Modernisierung der Informationssysteme und die Integration neuer Technologien wie künstliche Intelligenz und Augmented Reality vielversprechende Perspektiven, insbesondere für Schulungen oder automatisierte Entscheidungsprozesse.

Werk in Sandouville (Frankreich)

„Bei der Überwachung von Schweißrobotern zur Vorhersage von Ausfällen haben wir Signale entdeckt, mit denen sich auch Schweißfehler vorhersagen lassen“, berichtet Éric Marchiol. „Diese Fähigkeit zur Analyse und Anpassung macht den Unterschied aus.“

Eine noch intelligentere Zukunft

Die Renault Group will es nicht dabei belassen, die Realität zu simulieren. Das Ziel ist es, ein Niveau zu erreichen, auf dem die digitalen Zwillinge ihrer Werke dank hochvernetzter Systeme nicht nur beobachten, sondern auch in Echtzeit handeln können.

„Wir arbeiten daran, unsere Steuerungssysteme schrittweise zu modernisieren, indem wir neue Funktionen hinzufügen, die nach ihrer Validierung die alten ersetzen werden“, erklärt Éric Marchiol. „Es handelt sich um eine robuste technologische Lösung, die eine risikofreie Kontinuität der Produktion gewährleistet.“

Werk in Sandouville (Frankreich)

Der Einsatz fortschrittlicher künstlicher Intelligenz und noch leistungsfähigerer Plattformen läutet eine neue Ära für die Gruppe ein. Diese Innovationen beschränken sich nicht nur auf die Fabrik: Sie verändern auch den Arbeitsalltag der Teams, indem sie ihnen Zugang zu modernen und leistungsstarken Tools verschaffen, die eine schnellere Reaktionsfähigkeit und mehr Arbeitskomfort ermöglichen.

Die Renault Group beweist, dass Industrie und Innovation Hand in Hand gehen können. Indem wir den digitalen Wandel mit Ehrgeiz und Pragmatismus angehen, haben wir bereits einen Fuß in die Zukunft gesetzt.

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