Nach einer ersten Folge, die sich der Neuinterpretation des Kult-Frontdesigns des ursprünglichen R5 widmete, tauchen wir nun erneut hinter die Kulissen des Renault-Designs ein. Im Rampenlicht steht François Leboine, Leiter Design Concept und Showcars. Er erklärt uns, wie es gelang, beim Renault 5 Prototype diesen retro-futuristischen Ansatz umzusetzen, um eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Scheinwerfer an!
VON MAEVA PICHOT
Schöne Erinnerungen wecken, „die Lachmuskeln zum Arbeiten bringen“ – genau das war das Ziel von François Leboine mit dem Renault 5 Prototyp. Als Verantwortlicher für Konzept- und Showcars bei Renault blickt er auf die Entwicklung der Scheinwerfer des Prototyps zurück, die, wie er uns verrät, ganz allein die gesamte Arbeit verkörpern, die in das Auto gesteckt wurde. Dafür hat er eine gut eingespielte Methode angewendet, die er uns gerne verraten hat.
Wenn ich ein bestimmtes Detail nennen müsste, das die gesamte Arbeit am Renault 5 Prototype symbolisiert, dann wäre das definitiv der Scheinwerfer.n
Renault 5 Prototyp, Frontansicht
Der ursprüngliche R5 in all seinen Varianten als Ausgangspunkt
Der legendäre R5
Bevor man einen kreativen Prozess in Angriff nimmt, braucht man Ausgangsmaterial. Der erste, sogenannte analytische Schritt bestand darin, Archivmaterial zusammenzutragen, um das Originalfahrzeug zu analysieren, zu verstehen und zu zerlegen. Um sein Wesen zu erfassen. Fotos, Skizzen und Entwürfe des ursprünglichen Designers Michel Boué sowie Zeitschriften, Hefte und Broschüren aus jener Zeit ermöglichten es, den legendären R5 aus allen Blickwinkeln zu untersuchen. Ein von Renault Classic zur Verfügung gestelltes Fahrzeug trug ebenfalls dazu bei, bestimmte Elemente wie die berühmten Scheinwerfer besser zu verstehen.
Wir haben die Geschichte von Renault und insbesondere des R5, der bei den Menschen so beliebt war und diesen unverkennbaren verschmitzten Blick hatte, wirklich gut genutzt.
François Leboine an seinem Zeichentisch
Anschließend entwerfen die Designer die ersten Skizzen auf Papier, ähnlich wie Karikaturisten, die sich bemühen, das Wesentliche eines Gesichts einzufangen.
„Anhand der Skizzen konnten wir die wesentlichen Elemente erfassen, die es beizubehalten galt, um den verspielten Ausdruck des ursprünglichen R5 wiederzugeben “, erklärt François Leboine.
Anschließend arbeiten die Designer mit einer Grafikpalette, um die Proportionen, die Konturen und den Abstand zwischen den Scheinwerfern festzulegen und so den Ausdruck und den „lächelnden Blick“ des R5 aus den 70er Jahren wieder aufleben zu lassen.
Zurück in die Zukunft oder die Methode des Verschiebens
Der ursprüngliche R5 und sein Nachfolger
Nach der Analyse der grafischen Merkmale und der Arbeit an den Proportionen wenden die Designer das sogenannte „Glissement“ an: eine Methode, bei der ein Objekt in eine andere Welt versetzt wird. „Sie nutzen die gesamte grafische Arbeit aus der vorangegangenen Recherche, kombinieren sie mit den Erkenntnissen aus den Moodboards und den Stilelementen heutiger Objekte, um die Gestaltung der Details in eine futuristische Welt zu übertragen.“
Bei dem Renault 5 Prototype ließen sich die Designer insbesondere von der Luftfahrt, der Architektur, dem Produktdesign und sogar der Elektronik inspirieren.
Dank dieser Methode, visuelle Elemente verschieben zu lassen, wurden die Scheinwerfer des Prototyps zu echten technologischen und futuristischen Elementen. Die Nebelscheinwerfer, die damals oft hinzugefügt wurden, haben einen Sprung in die Zukunft gemacht. Sie haben sich in Tagfahrleuchten verwandelt, die vollständig in die Frontschürze integriert sind.
„Es war wirklich wichtig, dass der Renault 5 Prototype nicht nur eine sklavische Kopie der Vergangenheit war, sondern ein Fahrzeug, das tatsächlich Elemente der Zukunft in sich vereinte.“
Die letzte Etappe: die Konfrontation
Schließlich kommt die Bewährungsprobe, die letzte Etappe für die Designer. Die, bei der sie erfahren, ob ihre Arbeit gelungen ist. „Alles, was wir gemacht haben, haben wir den Menschen in unserem Umfeld vorgelegt, um herauszufinden, ob wir ins Schwarze getroffen haben; ob wir den R5 wieder zum Leben erweckt haben oder ob es ein Reinfall war“, erklärt François Leboine.
Die Reaktionen der Mitarbeiter im Unternehmen deuteten bereits darauf hin, dass das Auto einen gewissen Erfolg haben würde, aber letztendlich hat es unsere Erwartungen noch übertroffen.
Der Renault 5 Prototype wurde in der Tat sehr herzlich und einhellig aufgenommen. Sowohl bei den Scheinwerfern als auch beim gesamten Fahrzeug wurden die Linienführung und die futuristischen Details sehr geschätzt. Mit dem Renault 5 Prototype hat das Kultmodell aus der Renault-Tradition nun eine würdige Nachfolgerin gefunden. Ein modernes Auto, das mit der Zeit geht und voller Charme ist.
Die Renault-DNA wurde gewahrt, der Blick in die Zukunft ist gelungen: Mission erfüllt!