Das Zeug zum Helden

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In der Welt des Motorsports, in der die Technik eine entscheidende Rolle spielt und in jeder Kurve ein Risiko lauert, muss die Ausrüstung der Fahrer gnadenlos strenge Sicherheitsstandards erfüllen. Es kommt nicht in Frage, sich in seinem Lieblings-Fleece-Jogginganzug hinter das Steuer zu setzen! Matthieu Vaxivière, Fahrer des Alpine Elf Matmut Endurance Teams, verrät uns, welche Beziehung er zu seinem Helm hat, und erläutert die Sicherheitsanforderungen, die an alle Kleidungsstücke gestellt werden, die er trägt, bevor er sich ins Cockpit des A480 setzt.

VON DER RENAULT GROUP

Ach, wie fern und surreal erscheint doch die Zeit, als Juan Manuel Fangio sich noch in seinem Cockpit niederließ – mit einem einfachen Polohemd am Leib und einem schlichten Stirnband aus weichem Leder auf dem Kopf! Mit einer solchen Aufmachung würde einem Fahrer heute schlicht und einfach der Start verwehrt werden … selbst bei einem Oldtimer-Rennen! Der schreckliche Unfall des französischen Formel-1-Piloten Romain Grosjean beim Grand Prix von Bahrain 2020 hat der breiten Öffentlichkeit erneut vor Augen geführt, welchen Gefahren Rennfahrer ausgesetzt sind. Kein Zweifel: Ihre Ausrüstung ist weit mehr als nur eine repräsentative Uniform. Sie ist schlicht und einfach die letzte Schutzbarriere, um ihre körperliche Unversehrtheit im Falle eines Unfalls zu gewährleisten.

Der Helm ist nicht nur unser bester Schutz bei einem Aufprall, sondern auch unser Aushängeschild.

Matthieu Vaxivière

Fahrer des Alpine Elf Matmut Endurance Teams

Ein robuster und dennoch leichter Helm

Auf der Grundlage der Arbeiten des Global Institute for Motor Sport Safety arbeitet die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) kontinuierlich daran, die bestehende Ausrüstung zu verbessern. Zu Beginn der Saison 2020 hat sie daher in der Formel 1 und in der Langstrecken-Weltmeisterschaft eine neue Sicherheitsnorm eingeführt. Gemäß dieser als 8856-2018 bezeichneten Norm müssen die aus Kohlefaser gefertigten Fahrerhelme nun zwingend oberhalb des Visiers einen fortschrittlichen ballistischen Schutz aufweisen. Zudem werden sie einer Vielzahl beispielloser Härtetests unterzogen, darunter einer Einwirkung von Flammen mit einer Temperatur von 790°. Und dabei bestanden die ersten „Hartschalen“-Helme in den 1950er Jahren noch aus gekochtem Karton!

Der Helm ist das wichtigste Sicherheitselement für den Fahrer

Ein Helm muss jedoch so leicht wie möglich bleiben, wie Matthieu Vaxivière erklärt: „Das geringe Gewicht ist sehr wichtig, vor allem bei einem Langstrecken-Prototypen wie dem Hypercar A480. In den Kurven sind wir starken seitlichen G-Kräften ausgesetzt, wodurch das Gewicht des Kopfes verstärkt wird. Jedes eingesparte Gramm hilft mir, länger im Auto durchzuhalten. “ Diese Jagd nach jedem Gramm findet überall statt, sogar bei der dekorativen Lackierung des Helms. Matthieus Helm, erkennbar an der Farbkombination aus Blau, Gelb und Rot, die ihn seit seinen Anfängen begleitet, ist mit nur … 76 Gramm Lack überzogen, kein Gramm mehr!

Brandbekämpfung

Für die Piloten ist jedoch das Feuer die am meisten gefürchtete Gefahr. Seit Ende der 60er Jahre tragen die Piloten daher feuerfeste Anzüge und Unterwäsche, die häufig aus Nomex-Fasern bestehen. Die Norm 8856-2018 gilt übrigens auch für diese feuerfesten Overalls. Sie müssen nicht nur 12 Sekunden lang einer Temperatur von 700 °C standhalten, sondern nun auch einen kontrollierten Wärmeübergangskoeffizienten aufweisen. Mit anderen Worten: Die in das Innere des Anzugs eindringende Wärme wird nun reguliert. Diese neue Maßnahme ermöglichte es Romain Grosjean, 28 Sekunden lang in den Flammen zu bleiben und mit nur wenigen Verbrennungen an den Händen davonzukommen.

Die feuerfeste Kleidung der Piloten hält einer Temperatur von 700 °C 12 Sekunden lang stand

Im Vergleich zum Rennanzug sind die Rennhandschuhe gegenüber Feuer anfälliger. Denn der Fahrer benötigt ein sehr feines Griffgefühl am Lenkrad, weshalb die Handschuhe an bestimmten Stellen nur aus einer einzigen Schicht feuerfestem Material bestehen. Da sich Naturleder bei Kontakt mit Flammen stark zusammenzieht, empfiehlt die FIA, die Verwendung dieses Materials, das zwar ein hervorragendes Tastgefühl bietet, so weit wie möglich zu reduzieren. Ebenso schreibt das Reglement vor, dass alle Elemente wie Stickereien, Flockdrucke oder Aufdrucke, die zur individuellen Gestaltung des Rennanzugs und zur Darstellung der Sponsoren verwendet werden, feuerfest behandelt sein müssen. Dies muss durch ein Zertifikat bestätigt werden. Auch Unterwäsche, Sturmhauben und Socken müssen nun homologiert sein.

Den Komfort nicht vergessen

Auch wenn die Hauptaufgabe eines Rennanzugs darin besteht, den Fahrer vor Feuer zu schützen, muss er dennoch bequem sein. Vor allem bei Langstreckenrennen, bei denen ein Fahrer mehr als vier Stunden am Stück am Steuer sitzen kann… „Es ist wichtig, dass der Rennanzug genau auf unsere Größe zugeschnitten ist. Wir nehmen die Maße übrigens millimetergenau“, erklärt Matthieu Vaxivière. „Bei langen Stints muss man wirklich so wenig Beeinträchtigungen wie möglich spüren. Eine schlecht ausgeführte Naht kann sich jedoch als sehr störend erweisen.“

Der Anzug muss den Fahrer schützen, ihm aber gleichzeitig Bewegungsfreiheit lassen

Um den Fahrern diesen Komfort zu bieten, arbeiten die Ausrüster intensiv an den Materialien. Sie sind mittlerweile in der Lage, Rennanzüge anzubieten, die sowohl Schutz bieten als auch leicht und atmungsaktiv sind. Die Rennanzüge der Fahrer des Alpine Elf Matmut Endurance Teams, die in Italien von Sabelt hergestellt werden, wiegen mittlerweile nur noch 265 Gramm pro! Doch auch wenn der Komfort nicht zu kurz kommen darf, ist es doch der Sicherheitsaspekt, der bei der Entwicklung der Kleidung für die Helden am wichtigsten ist.

„Sicherheit steht für uns an erster Stelle.“

Matthieu Vaxivière