Renault im Einklang mit dem Klang – Folge 2

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Schon zu Beginn der Entwicklung der ersten Elektrofahrzeuge von Renault stellten sich eine Reihe neuer und spannender Fragen hinsichtlich ihres so charakteristischen geräuschlosen Betriebs. Wie kann man Fußgänger auf die Annäherung eines Fahrzeugs aufmerksam machen, dessen Motor fast kein Geräusch von sich gibt? Wie lässt sich ein Warngeräusch erzeugen, das sowohl wirksam als auch wohlwollend ist? Wie lässt sich ein Klangdesign schaffen, das sowohl für Elektrofahrzeuge charakteristisch als auch markenspezifisch ist? Laurent Worms, Leiter der Audiostrategie bei der Renault Group, erläutert uns den Entstehungsprozess eines solchen Klangs, der als VSP bezeichnet wird. Und um die „Stimme“ der Elektrofahrzeuge der Zukunft zu erkunden, ist ein Besuch beim Ircam (Institut de recherche et coordination acoustique musique), einem langjährigen Partner der Renault Group, ein Muss!

VON STEPHANE LAROCHE

Einem Elektrofahrzeug, das von Natur aus geräuschlos und somit unter akustischen Gesichtspunkten umweltfreundlich ist, ein Geräusch hinzuzufügen, mag paradox erscheinen. Doch die Sicherheit erfordert dies. Ohne ein äußeres Warnsignal würden Fußgänger Elektrofahrzeuge bei niedriger Geschwindigkeit nicht hören. Auch die Fahrer äußern übrigens den Wunsch, unter allen Umständen und insbesondere in der Stadt hörbar zu sein. Dieser als VSP (Vehicle Sound Pedestrian, d. h. Fußgängerwarnsignal) bezeichnete Warnton ist bei Elektrofahrzeugen vorgeschrieben. Er ist daher fester Bestandteil ihrer Entwicklungsparameter. Auch wenn „warnen und gleichzeitig beruhigen“ oberste Priorität hat, eröffnen die Herausforderungen des Sounddesigns viele weitere spannende Möglichkeiten und Wege.

Was an Bord eines Elektroautos besonders auffällt, ist seine Stille. Deshalb möchten wir dieser Stille eine Stimme verleihen.

Laurent Worms

Leiter der Audiostrategie, Renault Group

Der Klang der Stille

Bereits mit seinen ersten Elektro-Konzeptfahrzeugen hatte sich Renault als Vorreiter bei der Entwicklung eines spezifischen VSP etabliert. Die Umsetzung erfolgte 2012 mit der Serienversion des ZOE, dessen Warnton die Botschaft vermitteln sollte : „Ich bin elektrisch, ich bin zukunftsweisend, ich bin ein Renault“. Doch es musste ein Klang sein, der auch mit Renault und seinen Werten der Fürsorge und der Menschlichkeit in Verbindung gebracht wird; ein charakteristischer Klang, der später auch bei anderen Elektrofahrzeugen von Renault zum Einsatz kommen sollte . „Die Idee ist natürlich, Fußgänger zu warnen, ohne ihnen Angst zu machen! Gleichzeitig soll dieser Warnton positiv mit dem Elektroauto und der Marke Renault assoziiert werden“, erklärt Laurent Worms. Heute bereitet Renault eine neue Generation von Elektrofahrzeugen vor, die insbesondere auf den Showcars Mégane eVision und R5 Prototype basieren werden. Es geht darum, die Geschichte fortzuschreiben und für sie den Außensound von morgen zu erfinden. Ein Klang, der – wie schon die ersten – in den schallisolierten Studios und Labors des Ircam (Institut de recherche et coordination acoustique musique, Paris) und dessen Forschungsteam „Perception et design sonores“ (PDS) entwickelt wird.

Die Studios und Labore des Ircam bieten einen idealen Rahmen für die Klanggestaltung

Eine gut transkribierte Partitur, gut gestimmte Instrumente

Denn Sounddesign ist Teamarbeit. Es erfordert Weitblick und technisches Know-how, Geduld und Sorgfalt. Dabei werden zahlreiche Fachbereiche der Renault Group einbezogen, darunter Produktentwicklung, Design und Technik. Zudem werden externe Partner und Experten hinzugezogen, um schließlich ein VSP zu entwickeln. Dies ist eine gute Gelegenheit, daran zu erinnern, dass die Partnerschaft zwischen der Renault Group und dem Ircam bereits 1994 begann, lange bevor Renault sich für die Elektromobilität als Zukunft der Automobilindustrie entschied. Übrigens scheint diese historische Verbindung manchmal auch Berufungen geweckt zu haben: Laurent Worms und andere Mitarbeiter sammelten ihre ersten Erfahrungen am Ircam, bevor sie zu Renault kamen, um sich dem Spezialgebiet der angewandten Akustik zu widmen.

„Meine Aufgabe ist es, die Richtung vorzugeben. Ich stütze mich auf das umfangreiche Feedback unserer Kunden und auf aktuelle Trends, um das Klangkonzept zu erarbeiten, in dem ich die gewünschten Stimmungen und Assoziationen im Einklang mit unserer Marken-DNA beschreibe.“ Laurent Worms

Bei der Klanggestaltung der zukünftigen Elektrofahrzeuge von Renault galt es, die historische Verbindung zu früheren Modellen zu wahrenund gleichzeitig neue Wege zu beschreiten. Das Ircam verfügt über Know-how in den Bereichen Grundlagenforschung, Akustik, Musik und Klang, das für diese Art von industrieller Anwendung mit ihren zahlreichen Anforderungen besonders geschätzt wird. Unter der Leitung von Nicolas Misdariis, Forschungsdirektor und Leiter des PDS-Teams, sowie Andrea Cera, Komponist und Sounddesigner, der seit vielen Jahren mit dem PDS-Team zusammenarbeitet – unter anderem an diesen Fragestellungen des Sounddesigns für die Automobilindustrie –, konnte die Arbeit beginnen. Der erste Schritt eines Projekts dieser Größenordnung besteht darin, die industriellen Anforderungen sowohl aus technischer, ergonomischer als auch aus funktionaler und identitätsbezogener Sicht zu verstehen. Mit anderen Worten: Es gilt, die Frage zu beantworten: Welche Persönlichkeit wird für den Außengeräuschcharakter gefordert und gewünscht? Die Weitergabe dieser Ausgangsdaten erfolgt durch Briefings unterschiedlicher Ausprägung auf der Grundlage von Medien wie Worten, Bildern, sogar Klangreferenzen oder gar Tönen, die jeweils auf ihre eigene Weise die Assoziationen und Emotionen zum Ausdruck bringen, auf die es bei der bevorstehenden Klanggestaltung abzuzielen gilt.

„Da diese Arbeit Teil einer langjährigen Zusammenarbeit ist, profitiert sie von mehr als zehn Jahren Erfahrung und praktischer Anwendung, wodurch sich starke Konzepte wie die ‚Intrusivität‘ definieren und festigen lassen. Das Ziel ist es, einem wesentlichen Bedarf im Bereich der Akustik gerecht zu werden: den Schall im Fahrzeuginneren so unauffällig wie möglich zu gestalten, um mehr Diskretion und Komfort zu gewährleisten.“ Nicolas Misdariis

Anschließend müssen die zum Ausdruck gebrachten Absichten umgesetzt werden, indem Klangmaterial mithilfe von Instrumenten und realen (aufgenommenen) Klängen oder durch computergestützte Synthese von Grund auf neu geschaffen wird, wobei die grundlegenden harmonischen Regeln anzuwenden sind. Man weiß zum Beispiel, dass ein Dur- oder konsonanter Akkord – besser als jeder andere – ein Gefühl der Ruhe oder Freude hervorruft… Umgekehrt suggeriert bereits eine noch so leichte Dissonanz bei dieser Art von Akkord sofort eine Spannung… Sie versetzt einen in Alarmbereitschaft! Eine Dualität, die für einen Klang wie den eines VSP zwangsläufig interessant ist.

Der Sounddesigner komponiert also mit diesen Klangmaterialien, indem er sie harmonisch miteinander mischt. Anschließend kommen die Rhythmen und Modulationen ins Spiel, die es ermöglichen, eine der grundlegenden Komponenten des VSP – nämlich die klangliche Interaktivität – umzusetzen, indem sie sich an die Bewegungen des Fahrzeugs anpassen und so dazu beitragen, einen unverwechselbaren, lebendigen, einzigartigen und dynamischen Klang zu schaffen .

Ein gut geleitetes Orchester

Nach den Recherchephasen zeichnen sich schließlich mehrere Richtungen oder Vorschläge ab. In dieser Phase tauchen zwangsläufig Fragen oder sogar Zweifel auf. Jeder läuft Gefahr, seine Einschätzung auf den eigenen Geschmack zu stützen. Das ist die erste Gefahr. Die andere Falle besteht darin, alle Meinungen unter einen Hut bringen zu wollen … die zwangsläufig unvereinbar sind. Daher besteht die Aufgabe des für das Klangerlebnis der Kunden verantwortlichen Managers darin, die im Vorfeld gemeinsam festgelegte Kohärenz sicherzustellen und diese während des gesamten Projekts zu verteidigen. Letztendlich ist es im Moment der Entscheidung von entscheidender Bedeutung, dass das Unternehmen den starken, ja sogar polarisierenden Charakter des gewählten Markenklangs akzeptiert. Dies ist die Voraussetzung für einen unverwechselbaren Klang, der sich langfristig etablieren kann. Und genau diesen Weg hat Renault eingeschlagen.

Das Schlusswort hat Laurent Worms: „Mein Traum wäre es, dass die Klangsignatur der zukünftigen Elektrofahrzeuge von Renault ähnliche Emotionen weckt wie der Duft eines verführerischen Parfüms und gleichzeitig zu einer besseren Klangökologie in unseren Städten von morgen beiträgt.“

Das wünschen wir den Teams, die diesen neuen Sound entwickelt haben, von ganzem Herzen – den wir bald mit dem neuen Mégane E-TECH Electric erleben dürfen!  

Laurent WORMS: ein Audioexperte und zugleich ein versierter Musiker

Laurent Worms auf der Bühne (Styledimage vfx) Laurent begeistert sich für Sounddesign und neue Audiotechnologien. Hinter dem Ingenieur und Experten mit einem DEA-Abschluss in angewandter Musikakustik vom Ircam verbirgt sich ein vielseitiger Multi-Instrumentalist und Allrounder.

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, singt Laurent und spielt E-Gitarre in einer Pop-/Rock-Coverband, die live auftritt. Außerdem komponiert Laurent Musik am Computer, wobei er analoge und digitale Technologien miteinander verbindet. Das nennt man wohl die Verbindung von Leidenschaft und Beruf im Bereich Klang.

Die Renault Group und das Ircam: eine Partnerschaft seit mehr als einem Vierteljahrhundert

Das von Pierre Boulez gegründete Institut für akustische Forschung und Koordination im Bereich Musik (Ircam) ist dem Centre Pompidou angegliedert und untersteht dem französischen Kulturministerium. Seit seiner Gründung im Jahr 1977 besteht die grundlegende Aufgabe des Ircam darin, eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen wissenschaftlicher Forschung, technologischer Entwicklung und zeitgenössischem Musikschaffen zu fördern. Diese Verknüpfung bildet den zentralen Schwerpunkt aller seiner Aktivitäten und findet ihren Ausdruck im STMS-Labor, das in seinen sieben Forschungsteams verschiedene Bereiche der Musik- und Klangwissenschaften sowie der entsprechenden Technologien abdeckt.

Für die Renault Group arbeitet das Ircam bereits seit 1994 an so unterschiedlichen Themen wie der Klangqualität von Motoren, akustischen Warnsignalen, der Beschallung des Innenraums und der akustischen Erkennbarkeit der Fahrzeuge. In jüngerer Zeit waren das Ircam und insbesondere Andrea Cera und Nicolas Misdariis nacheinander an den Klangforschungsprojekten im Zusammenhang mit dem Renault ZOE und den Konzeptfahrzeugen DeZir, Frendzy, Twin Z, TreZor und SYMBIOZ beteiligt.