Künstliche Intelligenz in der Logistik – ein Motor unserer industriellen Leistungsfähigkeit
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Unsere Serie „KI im Einsatz bei der Renault Group“ führte uns zunächst in die Welt der Industrie. In dieser neuen Folge werfen wir einen Blick auf die Logistikkette. In diesem komplexen Bereich, derzahlreiche Parameter umfasst, haben sich unsere Teams schon sehr früh mit künstlicher Intelligenzbeschäftigt. Wie revolutioniert KI die Logistik? Welche konkreten Vorteile bringt sie mit sich? Tauchen wir ein in das Herz dieser Revolution.
Die Lieferkette – eine tägliche Herausforderung in einem komplexen Umfeld
Die Steuerung der Logistikabläufe der Renault Group stellt eine echte tägliche Herausforderung dar. Es gilt, mehr als 100.000 verschiedene Teileartikel zu liefern, die von über 4.000 Direktlieferanten bereitgestellt werden. Diese Teile müssen an die 25 Produktionsstandorte der Gruppe in 11 verschiedenen Ländern transportiert werden. Und sobald die Fahrzeuge im Rhythmus von 10.000 pro Tag fertiggestellt sind, müssen sie mit den täglich 1.200 Lkw und 1.000 Schiffen transportiert werden, die dafür sorgen, dass unsere Produkte ihre Verkaufsstellen in 140 Ländern erreichen. Diese Herausforderung meistern unsere Teams jeden Tag. Sie planen vorausschauend, organisieren, bewältigen Unwägbarkeiten und passen sich ständig an.
Zu dieser Komplexität des Berufs kommt noch die Komplexität des Automobilsektors hinzu. Angesichts großer Herausforderungen durchläuft die Automobilbranche einen beispiellosen Wandel, und die Logistikkette begleitet diese Entwicklung. Verschärfte Vorschriften, die Elektrifizierung der Fahrzeuge und deren neue Wertschöpfungskette, die Ziele zur Dekarbonisierung der Logistik sowie internationale politische, wirtschaftliche und klimatische Unsicherheiten tragen dazu bei, das Umfeld instabil zu machen.
Um diese Herausforderungen zu meistern, stützt sich die Renault Group auf eine ehrgeizige Digitalstrategie, bei der Daten und künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielen. Im Bereich Supply Chain entwickelt, implementiert und pflegt ein spezielles Team digitale Prozesse und Lösungen, um die operative Leistungsfähigkeit sicherzustellen.
Künstliche Intelligenz im Dienste der Lieferkette – zur Lösung konkreter Probleme

„In einer Logistikkette gibt es viele ‚mathematische‘ Probleme zu bewältigen: Lkw optimal zu beladen, den Bedarf an Fahrzeugen vorherzusagen, Versorgungsrisiken zu erkennen … Dank KI können wir diese Themen effizienter angehen.“
Christian Serrano
Teamleiter KI, Lieferkette der Renault Group
In der Lieferkette hat die künstliche Intelligenz die Entwicklung von Tools ermöglicht, die die Abläufe optimieren. Ein durch und durch pragmatischer Ansatz, der maßgeschneiderte Branchenlösungen bietet, insbesondere für:
- Optimierung der Lkw-Beladung: Das seit 2020 eingesetzte Tool OPTIM3D ermöglicht es, den Platz in den Lkws, die Teile zwischen unseren Lieferanten und unseren Werken transportieren, optimal zu nutzen und so die Anzahl der auf der Straße eingesetzten Lkws zu reduzieren. Zudem haben die Lieferanten Zugriff auf die Beladungspläne, was diesen Vorgang erleichtert.

- Transportwege optimieren:Das im Jahr 2023 eingeführte Tool OPTIMROUTE berechnet die besten Routen für den Transport der Teile unter Berücksichtigung von Entfernungen, Kosten und zeitlichen Vorgaben.
Dank dieser beiden Instrumente konnte die Renault Group zwischen 2021 und 2024 Einsparungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro erzielen und ihre CO₂-Emissionen um rund 20.000 Tonnen senken. Diese überzeugenden Ergebnisse haben uns ermutigt, noch einen Schritt weiter zu gehen.
- Transportkosten prognostizieren:Das 2023 eingeführte Tool U-PREDICT schätzt die Transportkosten in Echtzeit, was es ermöglicht, bei Problemen (Verspätungen, Zwischenfällen...) fundierte Entscheidungen zu treffen.
- Vorschläge für Ersatzteile: SIMILAR PART RECOMMANDER, das 2024 eingeführt wird, schlägt im Rahmen des Dokumentations- und Fahrzeugvorentwurfsprozesses ähnliche Teile vor.
- Risiken identifizieren:Das 2024 eingeführte Tool „MEDIA SCREENING“ analysiert aktuelle Nachrichten, um Ereignisse (Streiks, Naturkatastrophen…) zu erkennen, die sich auf die Lieferkette auswirken könnten, insbesondere auf unsere Tier-1- und Tier-N-Zulieferer, und ermöglicht so, Probleme vorausschauend zu erkennen.
- Schulung der Teams: In die digitalen Tools sind CHABOTS integriert, um die häufigsten Fragen unserer Teams zu beantworten und den Experten mehr Zeit für komplexere Fragestellungen zu verschaffen.
Weitere Anwendungen, die künstliche Intelligenz integrieren, sind bereits geplant. Diese befinden sich derzeit in der Pilot- oder Einführungsphase und werden es in naher Zukunft ermöglichen, die Gestaltung der Logistiknetze für Ersatzteile und Fahrzeuge zu optimieren, die Händler bei der Auffüllung ihres Fahrzeugbestands zu beraten oder den Anlieferungsfluss der Fahrzeuge an ihre Verkaufsstellen zu verbessern, indem Bestellungen und Transportzeiten besser vorhergesagt werden.

Ein Teil dieser Tools ist in unseren drei Logistik-Kontrollzentren implementiert, die täglich unsere Logistikabläufe überwachen:
- Kontrollrunde zum Business Continuity Plan (BCP), um die Widerstandsfähigkeit des Lieferanten-Ökosystems zu gewährleisten.
- Logistik-Kontrollzentrum für Bauteile, um sicherzustellen, dass diese pünktlich an unsere Werke geliefert werden.
- Logistik-Kontrollzentrum „Fahrzeuge“, um deren pünktliche Auslieferung an die Kunden zu gewährleisten.
Messbare Vorteile dank KI in der Logistik
„Mit unseren KI-basierten Tools erzielen wir in vielerlei Hinsicht Vorteile. Wir messen diese Vorteile anhand der Kosten, der Durchlaufzeiten, aber auch anhand der CO₂-Emissionen“, so Christian Serrano, Leiter des KI-Teams in der Lieferkette der Renault Group
Der Einsatz von KI in der Lieferkette der Renault Group führt zu konkreten und messbaren Vorteilen:
- Kostensenkung:Durch die Optimierung der Logistikabläufe und die Kostenprognose lassen sich die Ausgaben für Transport und Lagerhaltung senken.
- Verbesserte Reaktionsfähigkeit: Die Fähigkeit, Probleme vorausschauend zu erkennen und schnelle Entscheidungen zu treffen, ermöglicht es, unvorhergesehene Ereignisse besser zu bewältigen und die Kontinuität der Produktion sicherzustellen.
- Reduzierung der CO₂-Emissionen:Durch die Optimierung der Lkw-Beladung und der Transportrouten trägt die KI dazu bei, den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern.
Eine Frage der internen und externen Fachkompetenz im Bereich der künstlichen Intelligenz
Die Entwicklung und Einführung dieser KI-gestützten Tools sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Fachexperten aus dem Bereich Supply Chain und KI-Spezialisten. Maschinelles Lernen, Operations Research und generative KI – diese drei Technologien der künstlichen Intelligenz kommen in den Steuerungsinstrumenten unserer Logistikkette zum Einsatz, je nach den zu bewältigenden Anwendungsfällen. Das Team um Christian Serrano leitet diese Projekte mit Unterstützung von Renault Digital bei allen Themen, die die Operationsforschung betreffen, da diese sehr spezifische Entwicklungen erfordert.

„Das Team fürangewandte künstliche Intelligenz bei Renault Digital arbeitet eng mit den verschiedenen Fachbereichen des Unternehmens zusammen, insbesondere mitder Lieferkette. Unsere Experten für Operations Researchentwickeln leistungsstarke Algorithmen zur Prozessoptimierung undsetzen diese in die Praxis um. Unsere Optimierungs- und Entscheidungshilfetools stehen direkt im Dienst desoperativen Geschäfts.“
Siham Essodaigui
Leiter des Bereichs Angewandte Künstliche Intelligenz, Abteilung für Informatik und Digitalisierung bei Renault.
Die Renault Group stützt sich zudem auf eine fünfjährige Partnerschaft (2023–2028) mit dem CERMICS, dem Labor für angewandte Mathematik der École des Ponts in Paris, um von Spitzenkompetenz im Bereich der auf die Lieferkette angewandten KI zu profitieren. Im Mittelpunkt dieser Zusammenarbeit stehen mittel- und langfristige Forschungsprojekte (Praktika, Dissertationen, Postdoktorate), Beratung und punktuelle Studien sowie eine aktive Beobachtung des Fachgebiets und externe Kommunikation. CIFRE-Dissertationen wie die von Louis Bouvier zur Optimierung der Disposition von Leergut und die von Mathis Brichet zur Optimierung des Inbound-Logistiknetzwerks münden in konkrete operative Werkzeuge. Die Partnerschaft umfasst zudem Schulungen und die Erstellung einer Bibliothek mit wiederverwendbaren Code-Bausteinen.
KI-Agenten – ein Feld voller Möglichkeiten
Die Renault Group investiert weiterhin in KI, um ihre Lieferkette zu optimieren. Das Unternehmen lotet neue Anwendungsmöglichkeiten aus, wie beispielsweise den Einsatz von KI-Agenten zur Automatisierung bestimmter Aufgaben, um die Lieferkette noch leistungsfähiger, agiler und nachhaltiger zu gestalten, die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern und den Herausforderungen der Automobilbranche gerecht zu werden.
Die nächste Folge unserer Reihe „KI im Einsatz bei der Renault Group“ widmet sich dem Einsatz künstlicher Intelligenz in den Fahrerassistenzsystemen unserer Fahrzeuge.


