Im Rahmen des Strategieplans „Renaulution“ hat sich Renault dafür entschieden, mit den Besten zusammenzuarbeiten, um seinen Kunden bei seinen Modellen völlig neue Innovationen anzubieten. Ein Beispiel dafür ist das in Zusammenarbeit mit Saint-Gobain entwickelte, sich auf Wunsch segmentweise verdunkelnde Glasdach „Solarbay“, das erstmals beim Rafale und beim Scénic E-Tech electric zum Einsatz kam und auch für den Symbioz angekündigt wurde. Wie haben die beiden Unternehmen die Herausforderung gemeistert, ein intelligentes Glasdach zu integrieren, das sich auf Wunsch abschnittsweise verdunkeln lässt? Patrice Hamel, Leiter des Bereichs Fahrzeugprojektentwicklung bei der Renault Group, und Tim Jurkowski, VP Sales Marketing & Project bei Saint-Gobain Sekurit, erklären es uns.
Von Nicolas Le Boucher
Dem Alltag entfliehen. Aufbrechen, in einem hellen Innenraum, ohne von der Sonne gestört zu werden, und mit der Möglichkeit für die Passagiere, mit dem Kopf in den Wolken zu schweben… Das Fahrerlebnis an Bord des Renault Rafale und des Scénic E-Tech electric, die mit dem Panorama-Glasdach „Solarbay“ ausgestattet sind, ist einzigartig. Denn es sorgt nicht nur für hervorragenden thermischen Komfort und optimale Helligkeit im Innenraum, sondern schützt auch vor der Sonne, indem es sich auf Wunsch ganz oder zur Hälfte verdunkelt – und zwar mithilfe einer fließenden Animation, die über neun Segmente verläuft. Das Ganze geschieht in wenigen Sekunden. Der Effekt ist, gelinde gesagt, beeindruckend.
Dieses zauberhafte Glasdach, das die Innovationen, die die Renault-Modelle zu „Autos zum Erleben“ machen, perfekt veranschaulicht, ist das Ergebnis einer einzigartigen gemeinsamen Entwicklung von Saint-Gobain und Renault.
„Saint-Gobain verfügte über die Technologie, nach der wir suchten, und war daher der ideale Partner für die Entwicklung von Solarbay! Doch aus dieser Partnerschaft wurde schon bald eine gemeinsame Entwicklung. So konnten wir unsere Kompetenzen besser bündeln!“
Anspruchsvolle Anforderungen an Solarbay
„Das verdunkelbare Glasdach Solarbay nutzt die sogenannte PDLC-Technologie (Polymer Dispersed Liquid Crystal), also polymerdispergierte Flüssigkristalle“, erklärt Tim Jurkowski, VP Sales Marketing & Project bei Saint-Gobain. Diese im Bauwesen eingesetzte Verdunkelungstechnik basiert auf einer durch ein elektrisches Feld ausgelösten Molekülverschiebung. In der Automobilbranche nutzten bislang nur Premium-Hersteller diese Technologie für verdunkelbare Glasdächer. Renault ist der erste Massenhersteller, der dies umsetzt, und fügt darüber hinaus die Funktion der teilweisen und segmentweisen Verdunkelung hinzu. „Undum den Ambitionen von Renault bei diesen neuen Modellen gerecht zu werden, hat sich Saint-Gobain Sekurit zudem der Herausforderung gestellt, die Technologie an den Innenraum mehrerer Fahrzeuge anzupassen “, fügt Tim hinzu.
Renault Rafale führt das verdunkelbare Solarbay-Glasdach ein
Dies war in der Tat eine der Vorgaben im technischen Lastenheft, das für Saint-Gobain erstellt worden war. „Die Elektronik zur Verdunkelung des Dachs musste sich problemlos in verschiedene Fahrzeugmodelle integrieren lassen. Zudem wollten wir, dass diese Innovation schrittweise in mehreren neuen Modellen zum Einsatz kommt. Diese Anforderungen kamen noch zu dem engen Zeitplan hinzu “, erklärt Patrice Hamel von Renault.
Das Solarbay-Glasdach lässt sich auf Wunsch abschnittsweise verdunkeln
Hinter einer Technologie kann sich eine andere verbergen
Zwar ist die PDLC-Trübungstechnologie, die beim Solarbay-Glasdach zum Einsatz kommt, für alle Passagiere zweifellos das spektakulärste Merkmal, doch ist die Technologie, die für den thermischen Komfort an Bord sorgt, nicht weniger bemerkenswert.
Das Solarbay-Glasdach nutzt mehrschichtiges Glas für hervorragenden thermischen Komfort
Um die Insassen vor Temperaturschwankungen und dem „Eisklumpen“-Effekt im Winter sowie dem „Sauna“-Effekt im Sommer beim Einsteigen in das Fahrzeug zu schützen, wird ein Glas mit speziellen Beschichtungen verwendet. „Eine erste Schicht, die hundertmal dünner ist als ein Haar, reflektiert den größten Teil des Infrarotanteils des Sonnenspektrums. Eine zweite Schicht verhindert im Sommer die Rückstrahlung von Wärme in den Innenraum und im Winter den Wärmeverlust aus dem Fahrzeuginneren in den Himmel“, beschreibt Tim präzise.
Das Glas wird zu fast 50 % aus recyceltem Glas hergestellt, das aus Produktionsrückständen der Autoglasindustrie stammt. Diese Entscheidung war für Renault und Saint-Gobain von entscheidender Bedeutung, da sich beide Unternehmen für die Energiewende engagieren und sich für den Schutz der Umwelt einsetzen.
Eine einzigartige gemeinsame Entwicklung von Renault und Saint-Gobain Sekurit
Während der gemeinsamen Entwicklungsphase von Solarbay finden zahlreiche Besprechungen zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Spezielle gemischte Teams mit mehr als 100 Mitarbeitern arbeiten nach Fachbereichen und im agilen Modus, um die Entwicklung des Glasdachs mit der Fahrzeugentwicklung abzustimmen. Die Teams von Renault steuern die Integration des Dachs gemeinsam mit den Teams für die Fahrzeugarchitektur, damit es so groß wie möglich ausfällt (1.470 x 1.117 mm beim Rafale).
Was Saint-Gobain betrifft, „bestand die Herausforderung darin, die Produktentwicklung unter Einhaltung der Fristen und der von Renault erwarteten Qualitätsanforderungen sicherzustellen “, erinnert sich Tim.
Auf der Grundlage des zwischen den beiden Unternehmen aufgebauten Vertrauens ist es Saint-Gobain – unter Berücksichtigung der Vorgaben von Renault – gelungen, ein unauffälliges Bedienelement in der Deckenleuchte zu entwickeln, mit dem sich die Verdunkelung manuell steuern lässt.
Solarbay ist ein perfektes Beispiel für das Bestreben von Renault, nützliche Technologien zu entwickeln , die für möglichst viele Menschen zugänglich sind, indem das Unternehmen mit den Besten zusammenarbeitet.
Das Solarbay-Glasdach ist das Ergebnis einer gemeinsamen Entwicklung von Renault und Saint-Gobain Sekurit
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