Alles Wissenswerte über den seltenerdfreien Elektromotor

Veröffentlicht am

Ein weißer Renault 5 E-tech electric, angeschlossen an eine Mobilize-Ladestation

Als historischer Vorreiter der komplexen Technologie des magnetlosen Elektromotorsalso des Elektromotors ohne Seltenerdmetallehebt sich die Renault Group auch heute noch durch diese Besonderheit positiv von der Masse ab, während der Automobilmarkt zu 90 % aus Elektroautos mit Magnetmotoren besteht. Entdecken Sie die Palette der Elektromotoren der Renault Group.

Die verschiedenen Arten von Elektromotoren

Kein Kolben, kein Zylinder: Ein Elektroautomotor wandelt die elektrische Energie aus der Batterie in mechanische Energie um, und zwar mithilfe eines Magnetfelds, das durch den Strom im feststehenden Teil der Maschine (Stator) erzeugt wird. Durch seine Bewegung versetzt dieser ein rotierendes Teil (Rotor) in Bewegung und treibt so die Räder des Fahrzeugs an.

Vue éclatée des batteries et moteur électrique Renault

Angesichts ihrer großen technischen Unterschiede lassen sich drei große Familien von Elektromotoren unterscheiden:

  • Synchronmotoren mit Permanentmagneten, die aus Seltenen Erden hergestellt werden. Diese Technologie ist derzeit auf dem Automobilmarkt vorherrschend. Sie bietet einen hervorragenden Wirkungsgrad und eine optimale Baugröße.
  • Asynchronmotoren (ASM), auch als Induktionsmotoren (IM) bezeichnet. Aufgrund ihres geringeren Wirkungsgrads wird diese Technologie heute in der Regel für Sekundärmotoren an der Vorderachse eingesetzt.
  • Synchronmotoren mit externer Induktionserregung (EESM-Technologie, Electrically Excited Synchronous Motor). DieseTechnologie ist etwas voluminöser, bietet jedoch den Vorteil eines hervorragenden Wirkungsgrads und kommt zudem ohne Magnete aus. Diese Elektromotoren enthalten keine Seltenen Erden.

Seit 2012 bringt die Renault Group Elektromotoren vom Typ EESM ( Electrically Excited Synchronous Motor) in Großserie auf den Markt . Das Ergebnis dieses einzigartigen Know-hows ist eine wettbewerbsfähige Palette an Elektromotoren.

Renault scenic e-tech electric rouge en circulation dans la rue

Die Palette der vollelektrischen Motoren der Renault Group

Als Pionier im Bereich Elektroautos seit 2011 hat die Renault Group die mutige und visionäre Entscheidung getroffen, die EESM-Technologie in Großserie auf den Markt zu bringen.

Diese allererste Motorengeneration kam 2011 im Renault Kangoo Z.E. und 2012 im Renault Zoé zum Einsatz. Sie trägt die Typenbezeichnung 5A und verfügt über eine Leistung von 57 bis 100 kW.
Im Jahr 2020 erhält der Twingo Electric eine letzte Weiterentwicklung dieses Antriebs mit der Referenz 5AL und einer Leistung von 60 kW.

Die zweite Generation des EESM-Motors der Renault Group wird seit 2021 unter der Typenbezeichnung 6A produziert. Der Renault Mégane E-Tech Electric ist das erste Modell, das Anfang 2022 mit diesem neuen Antrieb (Typenbezeichnung 6AM) ausgestattet wurde, der kompakter, leichter und leistungsstärker ist (bis zu 160 kW). Dieser Motor kommt anschließend im Auto des Jahres 2024, dem Renault Scénic E-Tech Electric, und zuletzt im ersten vollelektrischen Alpine, dem Alpine A290, zum Einsatz.

Das seit Oktober 2024 erhältliche „Auto des Jahres 2025“, der Renault 5 E-Tech electric, sowie der Renault 4 E-Tech electric, für den seit März 2025 Bestellungen entgegengenommen werden, sind beide mit einem Elektromotor vom Typ 6AK mit einer Leistung von 110 kW ausgestattet.

Der im September 2025 vorgestellte Antriebsstrang des Alpine A390 ist völlig neuartig. Er besteht aus dem Elektromotor 6AM an der Vorderachse (wie beim Alpine 290) und einem neuartigen Doppelmotor an der Hinterachse. Diese drei in Cléon hergestellten Elektromotoren bieten eine geschätzte Gesamtleistung von etwa 345 kW (ca. 470 PS).

Conception design sur logicel du moteur

Die nächste Generation der EESM-Motoren – ab 2027 zu 100 % elektrisch

Seit 2021 arbeiten die Ingenieure der Renault Group an der dritten Generation der EESM-Elektromotoren, die den Namen E7A trägt. Auch wenn sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase befindet, stehen die technischen Vorgaben bereits fest:

  • eine Leistung von 200 kW, was etwa 270 PS entspricht, bei einem Drehmoment von 400 Nm
  • ein um 30 % reduzierter Platzbedarf des Motors im Vergleich zu Motoren der vorherigen Generation dank einer sogenannten „All-in-One“-Architektur
  • eine um 30 % reduzierte CO₂-Bilanz
  • einen Wirkungsgrad von etwa 92 %

Dieser Elektromotor wird zudem dazu beitragen, die Ladezeit der Batterie zu verkürzen, da die Systemspannung auf 800 Volt erhöht wird – gegenüber den derzeit bei der Renault-Modellpalette üblichen 400 Volt.

La future génération de moteurs EESM 100% électriques dès 2027

Motoren ohne Seltene Erden: eine Frage von mehr denn je strategischer Bedeutung

Indem die Renault Group dem Spulenmotor den Vorzug vor der Technologie der Permanentmagnet-Elektromotoren gibt, bewahrt sie ihre Unabhängigkeit von Ländern, die Seltene Erden und Magnete produzieren.

Ob in einem Elektromotor Seltene Erden enthalten sind oder nicht, ist kein Detail, sondern eine strategische Frage. China produziert 85 % der weltweit verwendeten gereinigten leichten Seltenen Erden und 100 % der schweren Seltenen Erden. Und es verkauft diese Rohstoffe fast gar nicht mehr, sondern konzentriert sich vorrangig auf den Verkauf von Produkten mit höherer Wertschöpfung wie Permanentmagneten für den heimischen Markt. Damit hat es ein fast ausschließliches Monopol: Über 90 % der weltweiten Produktion stammen aus China.

Dabei ist China auch der weltweit größte Hersteller von Elektroautos…

Cléon, das Werk für Elektromotoren der Gruppe

Das Werk in Cléon produziert seit 2015 Antriebsstränge für die Renault Group; seitdem wird dort der Elektromotor für den Renault Zoé, den Twingo ZE, den Kangoo ZE und den Master ZE hergestellt. Die Motoren für den Mégane E-Tech Electric, den Scénic E-Tech Electric, den Alpine A290, den Renault 5 E-Tech Electric und den Renault 4 E-Tech Electric werden alle am Standort produziert. Ab 2027 wird das Werk in Cléon den 200-kW-Elektromotor der neuen Generation herstellen.

Photo Renault